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1922 Westinghouse "RC"

 

           

Die Seriennummer liegt in der Mitte der Produktionszeit, es wurden zwischen 80.000 und 85.000 "RC" produziert. Diese Gerät zwischen September 1921 und Mai 1922, teils als Einzelgeräte, teils im gemeinsamen Gehäuse als "RC".
Ab Juni 1922 gab es "RC" ohne Seriennummer, darum wahrscheinlich die ungenaue Angabe der Stückzahl.
(Informationen aus Douglas: "Radio Manufacturers of the 1920s", Vol. 3)

"RC" = Radio Cabinet, "RA" = Empfänger ("Receiver") Baureihe A, "DA" = Audion ("Detector")  Baureihe A.

"RC" ist ein Kompaktgerät (35 cm Breite, 24 cm Höhe, 21 vm Tiefe) mit zwei Einschüben.
Anfangs (bis 1921) waren es Module in separaten Holzgehäusen (= "RA" + "DA"), und mit Drahtbrücken auf der Rückseite miteinander verbunden,
ein sogenannter "Radio- D- Zug", später gab es beide Baugruppen in einem gemeinsamen Gehäuse, aber immer noch mit den typischen Drahtbrücken der "D- Züge".

Die linke Baugruppe "RA" enthält nur einen Eingangskreis, keine aktiven Bauteile !
Die rechte Baugruppe enthält die nötige Audionröhre und einen mit 2 Röhren bestückten  Verstärkers sowie 2 NF- Übertrager.

Technisch ist "RC" ein Einkreis- Geradeausempfänger: Audion + 2- stufiger NF- Verstärker, im Amateurfunker- Sprech ein "0-V-2" = Null Vorstufen, 1 Audion (V), 2 NF- Stufen.

"RC" benötigt einen Kopfhörer oder externen Lautsprecher.
Sowohl der Audion- Ausgang, als auch der Ausgang der  ersten und der zweiten NF- Verstäkerstufe sind auf Klinkenbuchsen geführt.
Ein heutiger 6,3 mm- Klinkenstecker paßt perfekt, ein Stereo- Stecker für den Audion- und 1. Stufe- Kopfhöreranschluß, ein Monostecker für den Ausgang der 2. Stufe, Kopfhörer oder Lautsprecher.

Die "Radio- D- Zug"- Technik

 
Links: Hintenansicht Brücken bei "RC" (eigenes Gerät),
Rechts : Hintenansicht Brücken bei den separaten Einzelgeräten "RA"/ "DA"
(Quelle: detraphoone.de)

Anfang der 20er Jahre waren der "Radio- D- Zug" eine oft verwendete Modulbauweise, bekannt von Westinghouse, Telefunken, Siemens, AEG und Sachsenwerk.
Nicht selten wurden 4 oder 5 solcher Baugruppen nebeneinandergesetzt.

So konnte man ein Grundgerät -ja nach finanzieller Situation- immer weiter aufrüsten.

Zum einfachen Detektorempfänger oder Audion
kam ein ein Audioverstärker hinzu, dann eine Lautsprecher- Endstufe, natürlich ein Lautsprecher, für höhere Empfindlichkeit gab es Vorsatz- Schwingkreise oder HF- Verstärker als weitere "Wagen des Radio- D- Zugs".

Für die Westinghouse- Grundgeräte "RA"/ "DA" bzw." RC" gab es die Module "RT" (Receiver, Antennentuner) und "AR" (= Amplifier, ein HF- Vorverstärker).


Westinghouse- D- Zug ("Freight Train") komplett: RT, RA, AR, DA (Quelle: radioatticsarchive.com)
Die erste Baugruppe ist ein  Antennenabstimmgerät (RT) zur Trennschärfe- Verbesserung.
Da die 2. Baugruppe (RA) nur den Eingangsschwingkreis für die Abstimmung enthält, konnte zwischen ihr und der 4.  Baugruppe Audion + Endstufe (DA) die Baugruppe 3, der Hochfrequenzverstärker (AR), plaziert werden.

Der Hochfrequenz- Verstärker ist 3- stufig, das Audion 1- stufig, der NF-Verstärker 2- stufig, es sind damit immerhin 6 Röhren in Verwendung !

Mit dem "Antennentuner" und dem "Abstimmtuner" sind 2 Eingangskreise in Verwendung- der "D- Zug" wird zum "Zweikreiser".

Mit 70 cm Breite,  24 cm Höhe und 21 cm Tiefe hat dieser "D- Zug" etwa Volumen und Abmessungen die Ausmaße eines Großsupers späterer Jahre.

Dennoch ist es immer noch nur ein Geradeausempfänger.

Immerhin ist schon mit den Grundgeräten guter Empfang möglich.

Der Hochfrequenzverstärker "AR" ist besonders geeignet für Rahmenantennen- Anschluß und (zu) kurze Antennen- bei ausreichend langen und hohen Antennen dürfte er nicht erforderlich sein, vielleicht sogar übersteuern.
Immer möglich und sinnvoll ist die Verwendung des Antennentuners "RT".



"Siemens-  D- Zug" zum Vergleich, hier sind die Drahtbrücken auf der Frontseite.
Quelle: Wikipedia


"RC" als eines der ersten Zivil- Radios in Deutschlands

Entwickelt 1919, gebaut in mehreren Varianten ab 1920 oder 21, weitergebaut bis 1923.
Damit schlägt "RC" sogar  die Brücke zu den 10er Jahren.

Anfang der 20er Jahre gab es in Deutschland keinen Rundfunk und keine zivilen Geräte, die man Radio nennen konnte.

Dieses Westinghouse "RC"war eins der ersten Zivilgeräte in Deutschland.

Es ist übrigens baugleich mit dem deutschen Radio von Telefunken "Telefunkon D", ein Lizenzbau, Telefunken verheimlichte dies allerdings.
Es ist optisch gleich- im Inneren sind jedoch einige andere Bauformen von Bauteilen verwnedet worden.
Und- alle Schrauben sind unterschiedlich- amerikanischen Geräte verwenden Zoll- Gewinde, deutsche Geräte verwenden metrischen Schrauben !

Die "Radio- D- Züge" von AEG, Telefunken, Siemens, Sachsenwerk u. a. waren dann weitere Zivilgeräte, die ab Beginn des Rundfunks verfügbar waren

Dieses "RC" ist ein 1922er Modell (Gehäusestempel), in Deutschland verkauft.

Das hat eine gewisse Bedeutung:
Bis 1923 gab es keinen Rundfunk, es gab keine Sender und kein Programm, nur militärischen und  kommerziellen Funk (Nachrichten, Börsenmeldungen), sowie erste Funk- und Radio- Amateure.
Oktober 1923 fing der Deutsche Rundfunk mit der ersten Sendung des Berliner "Voxhaus"- Senders an, und dieses amerikanische Gerät gehörte einem der ersten deutschen Radiaoamateure.
Damals konnte man offensichtlich amerikanische Geräte erwerben.
Erstaunlich- Es gab ja noch keine offiziellen, zahlenden Rundfunkhörer, Amateure benötigten noch eine "Audionversuchserlaubnis", die kostete immerhin 60 Reichsmark, das war eine Menge Geld !

In den USA war man allerdings auch viel weiter, amerikanische Amateure sollen schon um 1914 sprachmodulierte Aussendungen durchgeführt haben.

Immerhin wurden 1923 in Deutschland um die 470 bis 670 "Radiohörer" (ich habe verschiedene Angaben) erfaßt. Wahrscheinlich durch die ersten Vereine, über die die Audionerlaubnis gemacht werden konnte.
 
Dieses Gerät könnte also die erste deutsche Rundfunksendung mitgehört haben.
Die Westinghouse- und Telefunken- "Radio- D- Züge" waren die ersten zivilen Radiogeräte.

Update:
3 Tage ist "RC" bei mir (Mai 2020)- Die Audion- Röhre war sichtbar defekt- im Laufe der Jahrzehnte hatn sie Luft gezogen, eine der Röhren istb blaß, was auf schlechtes Vakuum hinweist, sie hat aber noch Werte, die man als gut hinnehmen kann, und eine Röhre ist optisch und auf dem Prüfgerät wie neu- das veranlaßte mich, das Audion- Empfangsteil testweise anzuwerfen, es hat ja seine eigenen Betriebsspannungs- Zuleitungen, sowie einen eigenen Kopfhörer- Anschluß.

Nach 98 Jahren funktionierte das Audion auf Anhieb, und absolut einwandfrei !
Im Gegensatz zu Literaturstellen, die die Trennschärfe des "RC" bemängeln, ist diese für ein Audion top, die Skale ist voll mit Sendern.

Update 2, eine Woche später:
Eine Röhre hat ja noch gute Werte, und die total- defekte Röhre habe ich durch Umsockeln auf die Batterie- Senderöhre 3B4 ersetzt.

Auch der 2- stufige Verstärker funktioniert auf Anhieb, und ebenfalls absolut einwandfrei !


Anschluß und Aufbau des "RC" im Haus

 

Detaillierter Aufbauplan aus einem Katalog (Ward, 1922).

Unten der Heizakku, ein üblicher Akku, wie er für Autos Verwendet wurde.
Die Anodenbatterie ist hochkant links neben dem Gerät gezeichnet.
Die Antennenanlage ist mit Erdungsschalter und Blitzschutz gezeichnet, rechts unten ist ein Erdspieß dargestellt.
Genau so ist auch meine Antennenanlage gebaut, siehe hier.

Bedienung des "RC"

Aus der Bedienungsanleitung übersetzt, Edi:
Die Abstimmung funktioniert wie folgt: Zunächst muss der Bediener die gewünschte Verstärkungsstufe auswählen: Detektor, 1-stufige Verstärkung oder 2-stufige Verstärkung, indem er die entsprechende 1/4 "-Buchse auswählt. Für die Verwendung von Kopfhörern muß DET oder 1 STAGE ausgewählt werden. Für die Verwendung des Lautsprechers muss 1 STAGE oder 2 STAGE ausgewählt werden.

Der RC wird eingeschaltet, indem der DET FIL RHEO-Regler auf die Position 1/2 gestellt wird. Bei Verwendung von Stufe 1  oder 2 wird der AMP FIL RHEO eingeschaltet und auf etwa 1/4 Position gedereht. Der TICKLER (eigentlich die Regenerationssteuerung) wird auf MIN gestellt und dann gegen den Uhrzeigersinn gedreht, bis während der Abstimmung ein Brummen oder ein verzerrtes Signal zu hören ist. Drehen Sie jetzt 1/2 oder mehr Klicks (im Uhrzeigersinn) zurück, bis das Signal sauber zu empfangen ist. Jetzt wird die Feinabstimmung mit den Reglern TUNER und VERNIER durchgeführt. 

Anmerkung Edi: "Tuner" ist der Einstellknopf für die Frequenz, "Tickler" ist die Rückkopplung.
"... Fil Rheo" = Filament Rheostat = Einsteller für die Röhren- Heizfäden, damals einfach nach Helligkeit der Glühfäden, die wie Taschenlampenbirnen leuchteten.
"Vernier", deutsch: Nonius = Feineinstell- Skale, diese kennt man üblicherweise vom Meßschieber, hier bezeichnet "Nonius" den Einstellknopf für die Feinabstimmung der mit "Tuner" eingestellten Frequenz.
-> Die Noniusskala wurde 1631 durch den französischen Mathematiker Pierre Vernier eingeführt nach welchem sie auch in den meisten Ländern benannt wird.
Bei einem Rückkopplungsempfänger ist eine Feineinstellung sehr nützlich.

 

 

 

 

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