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"Octamonic"- Beurteilung


"Octamonic"- Nachbau, Stand 22.6.2025

Der "Octamonic" war ein Gerät nach einer außergewöhnlichen Idee, die Videos beweisen ja nun die Tauglichkeit bestens.

Der Klang ist gut, teilweise sehr gut, die Empfindlichkeit geringer, als als mit Dreikreis- oder Superhet- Konzepten möglich, die gehörmäßige Trennschärfe ist z. B. nachts, wenn viele Sender zu hören sind, in Ordnung.

Zwei Wermutstropfen:

1. Durch die Verwendung einer die Eingangsschwingung verzerrenden Stufe zur Erstellung einer Oberwelle werden weitere Oberwellen erzeugt, welche durch den "Harmonischen- Kreis" durchschlagen und Pseudo- Empfangsstellen mit schlechter Modulation, bilden.
Dies ist jedoch durch einen geeigneten Arbeitspunkt, geeignete Röhren, variable Kopplung und ggf. weitere Abstimmkreise beherrschbar, letzteres würde aber wieder Mehraufwand bedeuten.

2. Es geht sinnvoll nur mit Rückkopplung.
Die Rückkopplung ist im ältesten Schaltplan (vom November 1927) eingezeichnet, aber ohne die geringste Erwähnung !
Es wurde jedoch auch nur Oktober/ November 1927 über den "Octamonic" in Zeitschriften berichtet, dann... gar nichts mehr.

Eine Stellmöglichkeit der Rückkopplung fehlt total.
Wahrscheinlich war sie noch respektvoll entfernt vom Schwingeinsatz, damit war nur eine mäßige Entdämpfung vorhanden, die Empfindlichkeit höher, als ganz ohne, aber  doch recht gering.

In den folgenden, sehr vereinfachten Prinzip- Schaltplänen (es sind keine Komplett- Pläne) ist dann gar keine Rückkopplung  mehr eingezeichnet.

Mit Rückkopplung ist der "Octamonic" auf jeden Fall ausreichend empfindlich, etwa in der Größenordnung der Geräte jener Zeit.
Ohne Rückkopplung ist er bestenfalls ein "Ortsempfänger".

Möglicherweise war der "Octamonic" als  Ortsempfänger gedacht, etwa wie der Loewe "OE 333", der hieß ja auch so.

Aber das sind Kleinigkeiten, wahrscheinlich nur mangelhafte Berichterstattung, die dem Beweis der an sich guten Funktion keinen Abbruch tun.

3. Der "Octamonic"- Nachbau lebt in Sachen Empfindlichkeit vom NF- Verstärker.
Das hat allerdings auch Grenzen- und zwar erzeugt das Audion ein Grundgeräusch, ein "Brodeln", wenn ich nach sehr schwachen Sendern suche und der Verstärker sehr weit aufgedreht wird.
Und mein Verstärker hat einen sehr empfindlichen Phono- Eingang.
Das Geräusch habe ich mit allen meiner Nachbau- Röhren, welche ja Penthoden 3B4 als Triode geschaltet, sind- zwar in unterschiedlicher Stärke, aber alle haben das.
Es ist nun aber möglich, daß es mit originalen Trioden nicht so ist, oder daß es mit diesen stärker ist- das kann ich nicht gegentesten, weil ich originale Röhren nicht habe.
Bei mittelstarken bis starken Sendern ist dieser Effekt nicht zu hören.

Die 3 "Wermutstropfen" sind aber eher kleinere Schwächen, die man auch in den Griff bekommen kann.
Es ging ja nur um die versprochene Funktion an sich- und die ist in Ordnung.

Die Idee der Transponierung eines durchstimmbaren  Frequenzbandes könnte als Verkaufsargument erdacht worden sein, sie ist auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal, sie wurde 1927 von David Grimes vielleicht erfunden, auf jeden Fall für den Rundfunkempfang tauglich gemacht.

Möglicherweise könnte auch die Selbsterregung- Neigung damaliger mehrstufiger Röhren- HF- Verstärker mit Trioden und gleichen Abstimmkreisen  ein Grund zu dieser Transponierung gewesen sein. Zwei- und besonders Dreikreis- Geradeausempfänger waren davon betroffen.
Das Fehlen der Schwingneigung bei Transponierung wurde von Grimes extra betont.
Viele Hersteller hatten zwar bereits Abhilfe in Form von "Neutralisationskondensatoren" geschaffen, dies war jedoch frequenzabhängig, die Neutralisationskondensatoren waren darum meist kleine Drehkondensatoren, und damit zusätzliche Stellglieder auf der Frontplatte, die Bedienung komplizierter.

Denkbar wäre auch, daß die Transponierung aus Patentrechtsgründen erdacht wurde, um andere Patente -und damit Lizenz- Zahlungen für deren Nutzung- zu umgehen.

Daß es nur sehr wenige Geräte gab, dürfte keinesfalls an mangelhafter Technik gelegen haben, sondern in der Aufgabe der Firma am Anfang der großen Wirtschaftskrise, speziell durch Betreiben von Wallstreet- Finanzjongleuren, begründet sein, bevor überhaupt relevante Stückzahlen hergestellt waren.

Ich habe den "Octamonic" getestet- im Wesentlichen hält das Gerät seine Versprechungen.

Der Klang ist tatsächlich gut, ebenfalls die Trennschärfe.
Kein Überflieger an Empfangsleistung, kein HiFi- Audio- Gerät, aber:
Es ist Technik von vor 98 Jahren !
Für diese Zeit war der "Octamonic" ein durchaus respektables Gerät.

Mit Rückkopplung und Rückkopplungs- Steller kommt es dann sogar an die Leistung von (damaligen) Dreikreis- Geradeausempfängern und Superhet heran.

DIe Idee wurde nie wieder aufgegriffen, da später mit dem Superhet doch wesentlich besser konstruiert werden konnte.

David Grimes  "Octamonic" war eine besondere Idee, und ich freue mich, sie aus der Vergessenheit geholt zu haben.

 

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