Dyne, Dyne, nochmal Dyne...
(Alle "Dynes unten")
Hier möchte ich einige Informationen zu "Dyne- Schaltungen" zur Verfügung stellen.
Im Prinzip ist "Dyne" lediglich eine angehängte Wort- Endung, und es ist eine Wortschöpfung, die ein Gerät, ein Bauteil oder eine Schaltung besonders "dyn(amisch)", und damit fortschrittlich, herausstellen soll, also mehr oder minder zu Werbezwecken.
Kann man so hinnehmen- warum nicht.
Im Laufe der Jahrzehnte kamen aber eine riesige Zahl an "Dyne-" zusammen.
Mal heißt ein Radio der Firma "Metro" eben "Metrodyne", mal besitzt ein Empfänger "Ampladyn- Röhren", mal besitzt ein Empfänger eine "Tropadyne- Schaltung", wird aber vom Hersteller "Teledyne" genannt, mal gibt ein Neutralisationskondensator den Namen "Neutrodyne" für eine Empfängerklasse, und mal ist es eine hohe statt einer niedrigen Zwischenfrequenz eines Superhets, die den Namen "Infradyne" anregte.
"Infra" bedeutet "unter", "darunter", wie bei "Infraschall", der eine sehr niedrige Frequenz hat, es bezieht sich bei der Radiobezeichnung sich wohl auf die eigentliche Empfangsfrequenz.
Das Gegenstück wäre eigentlich Ultra" = "höchst...", und tatsächlich gibt es auch... "Ultradyne"- Empfänger.
Allerdings... haben bei den "Ultradynes" andere Details bewogen, den neuen "Dyne- Namen" zu erfinden, etwa ein anderer Einspeisungspunkt für die Oszillatorfrequenz.
Heute können wir uns über die Namensverrücktheiten amüsieren, aber auch die Radios und die pfiffigen Lösungen und Schaltungen von vor 100 Jahren bewundern.
Ich habe einige Artikel, Bilder und Schaltungsvarianten zusammengetragen- viel Spaß !
Ultrasuperheterodyne ! Das Geheimnis amerikanischer Schaltungsbezeichnungen
Aus "Funk" 1925 HEFT 28
Wenn ein Funkbastler heute irgendwie etwas gelten will, dann muß er zum mindesten schon mal irgendeinen ...dyne"-Empfänger gebaut haben. Die großartigsten Wortbildungen treten da auf, wie Solodyne, Unidyne, Neutrodyne, Heterodyne, Superheterodyne, Superpliodyne. Auf den Laien machen solche Wortungetüme, die zum größten Teil einfach aus der amerikanischen Literatur übernommen sind, natürlich Eindruck; der Fachmann aber wird nachdenklich und tragt sich: Was bedeuten diese Worte eigentlich?
Die älteste dieser Wortbildungen ist wohl die Zusammensetzung: Heterodyne. Entstanden aus den griechischen W örtern „heteros" „ein anderer" und „dyn(amis)" „Kraft", bedeutet „Heterodyneschaltung" eine solche, bei der eine „andere Kraftquelle" zu Hilfe genommen worden ist, nämlich ein kleiner Hilfssender, ein „Überlagerer".
„Heterodyneempfang" bedeutet also „Empfang mit Überlagerung" oder „Schwebungsempfang".
Das hat also seine Richtigkeit. Freilich, wir haben keinen Grund, den amerikanischen Ausdruck anzuwenden, da der deutsche Ausdruck „Überlagerungsempfang," durchaus treffend und nicht mißzuverstehen ist.
Nun „Solodyne" und „Unidyne".
Beides bedeutet dasselbe. Im Gegensatz zum Empfang mit Überlagerer, sollte man meinen, müßte dies „Empfang mit Schwingaudion" (ohne eine „fremde Kraft", "ohne besonderen „Überlagerer") bedeuten. Dem ist aber nicht so. Wir finden diesen Ausdruck vielmehr bei solchen Schaltungen, bei denen eine Doppelgitterröhre benutzt wird und infolgedessen nur „eine Stromquelle" für Glühkathode und Anode zusammen vorhanden ist.
Während sich das „dyne" bei „Heterodyne" also auf Hochfrequenz bezog, bezieht es sich hier auf die Gleichstromquelle.
Die Zusammensetzung eines lateinischen Wortes („solus" allein bzw. „unus" = eins) mit einem griechischen findet sich auch sonst häufig (vgl. „Automobil"); dagegen wäre also wohl nichts einzuwenden.
Es ist aber nicht recht einzusehen, warum man hier überhaupt eine besondere Bezeichnung braucht, denn ob man zur Speisung des Heiz- und Anodenkreises eine oder zwei Batterien benutzt, das ist ein elektrisch ganz belangloser Unterschied.
Noch schlimmer ist es aber, wenn sich Sprachkünstler an den genannten Fremdworten versuchen und daraus eine „Einquell"-Schaltung machen. Als ich dieses Wort zum erstenmal las, war ich begierig, die neue Schaltung kennenzulernen und zu sehn, wo da etwas und was da „einquillt". Meine Enttäuschung war groß, als ich dann eine ganz gewöhnliche Schaltung mit einer Doppelgitterröhre vorfand!
Was man sich bei „Neutrodyne" gedacht hat, ist mir nicht ganz klar. „Neutrus" (lateinisch) heißt „keiner von beiden". Also „keine von beiden Kraftquellen".
Was ist das? Ich weiß es nicht. Vermutlich soll es sich darauf beziehen, daß keine ungewollte Rückkopplung auftreten soll bzw. daraut, daß die schädlichen inneren Röhrenkapazitäten „neutralisiert" werden sollen. Aber „Neutrodyne"?
„Superheterodyne" bedeutet „super",(lateinisch = "über" = „Über-Andere Kraftquelle".
Verständlich wird das erst, wenn man bedenkt, daß „Heterodyn" = „Überlagerung" bedeutet.
Wir haben also hier eine „Über-Überlagerung" vor uns. Das soll andeuten. daß hier durch Oberlagerung der Senderwelle mit der Hilfswelle nicht eine hörbare, sondern eine unhörbare , Frequenz erzeugt wird, die dann weiter verstärkt wird.
„Superpliodyn" bedeutet („pleio", griechisch = ”mehr") „über-mehr-Kraft(quelle)", ist also so auch unverständlich.
Unter „Pliodynatron" versteht der Amerikaner eine Röhre in Verstärkerschaltung. Es handelt sich demnach bei „Superpliodyne" um eine ganz willkürliche Wortbildung zur Bezeichnung einer Schaltung.
Häufig liest man auch „Regenerativ"-Empfänger bzw. „Superregenerativ"-Empfänger.
Hier ist einfach die Übersetzung des amerikanischen Wortes "regeneration" (lateinisch „regeneratio" - Zurückerzeugung) unterlassen worden, das auf deutsch einfach „Rückkopplung" bedeutet. Ein „Regenerativ"-Empfänger ist also ein „Rückkopplungsempfänger", ein „Superregenerativ Empfänger ein solcher mit „Überrückkopplung".
Daher: verschont uns bitte mit solchen Wortungetümen, bei denen man sich nichts denken kann! Ebenso aber verschont uns bitte mit solchen Verdeutschungen, die sprachlich unrichtig gebildet sind und bei deren Anblick uns eine Gänsehaut über den Rücken läuft. So sehr die Bestrebungen anzuerkennen sind, die darauf abzielen, unnötige Fremdwörter aus unserem sprachschatz zu entfernen, ebensosehr muß auch gefordert werden, daß die Fremdwörter nicht einfach durch ungelenlenke, stolprige Übersetzungen ersetzt werden, sondern daß ein sinngemäß richtiger, deutscher Ausdruck an die Stelle tritt.
Vom Infradyne- zum Eskaladyne- Empfänger
Funk 1927, 27-39, S.529
Groß ist die Zahl der verschiedenen Empfangsschaltungen, größer noch die Zahl der Namen, die man dafiir erfunden hat. Immer wieder neue, schön klingende Namen aus dem Wortschatz aller lebenden und toten Sprachen zusammenzustellen. ist, obwohl man dabei längst schon keine Rücksicht mehr anf Wortbildungsgesetz and Sprachlogik zu nehmen pflegt, sicherlich eine schwierigere Kunst als das Heraushringen neuer Schaltungen selbst.
Doch dem mit ernsthaften Eifer Suchenden offenbaren sich hier und dort doch noch I.ücken im wuchernden Dickicht sprachlicher Mißbildungen. Vielleicht hat der eine oder andere, der schaudernd die Reihen der Wortbildungen überdenkt, die mit Super und Hyper, mit Uni und Ultra beginnen, die Hyperdyne- und Superdyne- und Ultradyneschaltungen kennt, es schon als einen Mangel empfunden, daß es noch an einer Infraschaltung fehlt. Nun wohl, der Mangel ist beseitigt, die Infradyneschaltung ist gefunden, voilá !
Das Wort hat sich eingestellt, was bedarf es da der Sorge um die fehlenden Gedanken! Wie alles Neue und alles Gute, kommt uns auch diese Schaltung aus dem Lande der unbegrenzten Unmöglichkeiten, aus Amerika. Sie ist nicht einmal mehr ganz neu, sondern bereits gegen Ende des vorigen Jahres zum ersten Male in der amerikanischen Funkliteratur aufgetaucht. Anscheinend ist es aber dann wieder sehr bald still davon geworden. Doch seien nachstehend für alle die Funkfreunde, denen nichts Menschliches fremd sein darf, die wesentlichsten Züge dieser Schaltung anhand zweier Veröffentlichungen dargelegt.
Am besten läßt sich das Prinzip der Schaltung wohl ausgehend von dem der bekannten Superheterodyneschaltung erläutern. Ebenso wie bei dieser findet auch bei der In-fradyneschaltung eine Umwandlung der Empfangsfrequenz in eine andere, die sogenannte Zwischenfrequenz statt, nur daß im vorliegenden Falle statt der Umwandlung in eine niedrigere Frequenz (längere Welle), eine Umwandlung in eine höhere Frequenz (kürzere Welle) stattfindet.
DIE „MAGIE“ EINES DYNE
http://www.antiqueradios.org/gazette/dynes.htm
Fast jeder in der Radiobranche hat schon einmal vom Superheterodyn und Neutrodyn gehört. Diese Schaltungen wurden im Laufe der Jahre von zahlreichen Herstellern verwendet.
Um sich nichts Gutes entgehen zu lassen, fügten einige Firmen ihrer Produktbeschreibung das Wort „Dyn“ hinzu, offenbar in der Annahme, dass die Öffentlichkeit davon beeindruckt sein würde.
Das „Dyn“ ist eine Krafteinheit. Ein Dyn ist die Kraft, die benötigt wird, um ein Gramm pro Sekunde um einen Zentimeter zu beschleunigen. (Wow!). Wie sich das auf das Radio anwenden lässt, ist eine gute Frage.
Beim Durchblättern von Radiozeitschriften aus den 1920er Jahren (Die „Dynes“ starben Anfang der 30er Jahre aus) fande ich eine Menge "Dynes".
Sicherlich gibt es noch mehr, aber dies ist ein Anfang.
Liste enthielt hauptsächlich Erwähnungen in Zeitschriften oder Radiosendungen, oft aus Werbeanzeigen.
Ich habe die recht umfangreiche Liste ergänzt, Edi
Aero-Dyne. Radio News, Februar 1927
Ampladyne - Röhren von Blaupunkt, sehr schöne Lämpchen im blauen Glaskolben.
Es gab auch einen Audionempfänger dieses Namens.
Amplidyne Vom Schweden Alexanderson, dem Erfinder des Alexanderson-
Alternators, erfundene Anordung, ein elektromechanischer Verstärker,
er besteht aus einem Motor, der einen Generator antreibt.
Autodyne Schwebungsempfang, selbstoszillierendes Audion,
Radio Broadcast 1925-07, Radio News , April 1929
Clear-O-Dyne Cleartone Radio Co., Cincinnati, OH
Radio World, 27.12.1924, Popular Radio, Januar 1925
Crystadyne/
Crystodyne Vom Russen Lossew erfundene, spezielle Schaltung, die mit einem
Kristalldetektor Schwingungen erzeugen und auch verstärken kann.
Radio News 1924-10
Kompendyne E Singer Co., NYC, NY Radiosendung, Januar 1925
Deresnadyne Batterie-Radio Andrews Radio Co. Chicago, IL Radiosendung, Mai 1925
Erladyne Radio- Bauteile, DIGESTS OF UNITED STATES PATENTS
RELATING TO RADIO TELEGRAPHY AND TELEPHONY
ISSUED MARCH 4, 1924-APRIL 29, 1924
Filadyne - Audion mit Heizregler, "Modern Wireless" 1927-05 bis 08
Fusidyne = Fusidine Gerät mit "Phusiformer", das ist ein vorgefertigter L/C-
Abstimmkreis in einer Art Bakelit- Gehäuse, auch mehrfach in
Mehrkreis- Geradeausempfängern, beschrieben in Wireless-Age-1924-08,
Radio News 1924-10 und hier
Heliodyne - Röhren von Blaupunkt
Heterodyne Schwebungsempfang, Überlagerungsempfang, nicht selbstschwingend
Hilodyne Algonquin Electric Co., NYC, NY
Radio News, 1924-01 und Radio_News_1928-01
Hyperdyne Empfänger, Indiana Mfg. & Elec. Co.; Marian, Indiana, 1925
Infradyne Gray & Danielson Mfg. Co. (Remler),San Francisco, CA
Interdyne Gerät von Varley =Oliver Pell Controls Ltd, London, 1927
Islodyne Thorola, Reichmann Co., Chicago, IL
Popular Radio, Dezember 1925
Logo-Dyne Kodel Radio Corp. Cincinnati, OH Popular Radio, November 1925
Marcodyne Marcodyne Receiver - Martin Copeland Co. MARCO
Citizens Radio Call Book 1926, page 51
Marvodyne Amber Mfg. Co., NYC, NY Radiosendung, April 1925
Metrodyne Metro Electric Co. Chicago, IL
Radio News, Feb. '27, Jan. '28
Microdyne RadioDigest 1924-09-06
Monodyne National Airphone Corp. NYC, NY
Radio News, Februar 1924
Morradyne Morrison Radiophone Co.Bridgeport, CTRadiosendung, Januar 1925
Neutrodyne - Empfänger- Klasse mit Neutralisationskondensatoren
Neutroheterodyn Radio News, Juni 1928
Peridyn Spezielle Abstimmung von Luftspulen ohne Ferrit mittels angenäherter
Metallscheibe, Peridyne, NYC, NY
Radio News, 27. Dezember, 28. Januar
Pliodyn Golden-Leutz, mc, NYC, NY Radiosendung, Januar 1925
Beschreibung in "Modern-Radio-Reception" Leutz 1925
Polydyne AC Dayton, AC Electrical Mfg. Co.,Dayton, OH,
Popular Radio, September 1924
Portadyne Kofferempfänger, Wireless World 1934 S.389
Radiodyne Western Radio News Coil & Electrical Co., Racine, WI
Popular Radio, Sept. '24, Jan. '25
Reactodyne - Eine kapazitive Rückkopplungsschaltung mit sehr geringer
induktiver Kopplung der Kreise.
Rectodyne - Nein, nichts aus dem Rektum- das ist ein Netzteil der Fa. Apco,
abgebildet im "Homecraft Magazine", August 1926
Ricodyne Radio der Fa. Radio Industries Corp.; New York City, New York,
abgebildet in Radio Progress 15.09.1925
Selectrodyne Gerät, Wireless Weekly (Australien) 1926-12
Solodyne 1. Schaltung mit Doppelgitterröhren
2. Schaltung mit Triede in Reflexschaltung: "Cummings Solodyne" von
Cummings Radio Corp. , Springfield, MO, in "Radio News",
Juni 1928, S.1377
3. "Solo" für Einknopf- Abstimmung -> "Elstree Solodyne" in
"Modern Wireless" 1926-09
Standardyne Emerson Radval Corp. NYC, NY Popular Radio, März 1927
Strobodyne Consrad Co., NYC, NY
Radio News, August 1926, Juli 1927 und April 1928
Summerdyne Modern Wireless 1927-05
Superdyne Röhren von Blaupunkt
Gerät, in Radio World 13.12.1924
Superheterodyne Superhet, Mischung auf eine feste Zwischenfrequenz
Super-Hilodyne Potter Products Corp. NYC, NY
Radio News, April 1928
Synchrodyne Funk- Technik 1949-15 und 1950-1
Teledyne = Tropadyne
Popular Radio, August 1924, S.2
Thermiodyne Thermiodyne Radio Corp., Plattsburgh, NY
Popular Radio, Januar 1925
Tone-A-Dyne Resas, Inc. NYC, NY Radiosendung, Mai 1925, Radio News 1924-10
Trinadyne Einröhren- Reflexschaltung
Funkbastler 1926-46, Funkschau 1934-07
Tropadyne Beim Tropadyne-Prinzip erfolgt die Mischung in einer Elektronenröhre
als sogenannte selbstschwingende Mischstufe.
Torodyne Ainsworth Radio Co., Cincinnati, OH
Popular Radio, November 1925
Ultradyne Phenix Radio Corp. NYC, NY
Popular Radio, 25. Januar, 24. September
Ultradyne Sales Co. Chicago, IL
Radio News, April 1928
Unidyne Funk 1924-03, 1925-14
Wird fortgesetzt...


