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Wo blieben die DDR- Spitzentransistoren ?

"Wo blieben die DDR- Spitzentransistoren ?

"Unsichtbare" Transistoren"

Es gibt eine Merkwürdigkeit bei den Spitzentransistoren der DDR:
5 Jahre wurden sie produziert, selbst bei niedrigen Stückzahl- Annahmen pro Monat (ich schätze auf etwa 200- 250 pro Monat, in erfolgreichen Monaten weit mehr !) kommt da schon eine nennenswerte Anzahl zusammen.

Nur... es gibt heute nur noch eine Handvoll dieser Transistoren, und es gibt kein einziges bekanntes, industriell hergestelltes Seriengerät, weder ein Radio, noch Geräte der Meß- oder Steuer- und Regeltechnik, mit diesen Transistoren !

Einige "sichtbare" Transistoren...

"Bekannt" wurden nur einige Vorführ- Geräte, die 1954 als Messemuster auf der Leipziger Messe ausgestellt wurden.


Dr. Falter mit einem Messemodell, abgebildet in einer Messewerbung in der westdeutschen Zeitschrift "Funk- Technik"


Nicht mehr existierende Messemuster- Geräte, die mit Spitzentransistoren gebaut wurden.
Diese Geräte wurden nur für die Leipziger Messe 1954 als Vorführgeräte hergestellt.
Nichts in der Art wurde je produziert.
Wahrscheinlich existieren die Mustergeräte auch nicht mehr.



Transistor- Kleinsender für Musikübertragung vom Plattenspeiler zum Radio, auf dem Sockel einer Stahlröhre, "Drahtloser Plattenspieler".


Bericht aus der "Nachrichtentechnik" 1/1955 zum "Drahtlosen Plattenspieler".

Laboraufbau eines UKW- FM- Transistor- Kleinsenders

 
Transistor- Kleinsender als "Drahtloses Mikrophon"

Messemuster, mit der heißen Nadel gestrickt

Im Bericht der Zeitschrift "rfe" (Rundfunk- Fernseh- Technik" 1/1956 wird beschrieben, daß die Vorführmodelle einige technische Nachteile hatten, es werden sogar Meßprotokolle veröffentlicht.

 

Zum letzten Satz des Artikels:
Ach neeee!   
:-)
Das hätten Funkamateure den Entwicklern vorher sagen können.
Die Nachteile der Amplitudenmodulation eines selbstschwingenden Oszillators waren bei Röhren schon lange bekannt.
Die Entwickler wußten wahrscheinlich, daß die Vorführmodelle suboptimal waren.


Zweifellos waren die in Fachzeitschriften präsentierten Schaltungen der Messemuster für den Anwendungszweck sehr schlecht geeignet-z. B. wurde ein AM- Sender (auf Mittelwelle) präsentiert, der nur 1 Transistor verwendete, der Musik drahtlos von einem Plattenspieler übertragen sollte, sowieein "Drahtloses Mikrophon" , welches mit FM funktioniert.
Fachleute und Funkamateure kannten schon lange den Nachteil solch einfachster Lösungen mit nur 1 aktiven Bauelement- u. a. starke parasitäre Freqnenzmodulation bei AM, sowie starke parasitäre Amplitudenmodulation bei FM, das kann man als schlechte Aussendung bezeichnen.
Gute Radios konnten die übertragene Musik aber in brauchbarer Qualität wiedergeben.

Es ist anzunehmen, daß die Vorführmodelle "mit der heißen Nadel gestrickt wurden", um allerschnellstens präsentierbare Ergebnisse vorweisen zu können- bekanntermaßen stand auch Druck der Staats- und Parteiführung dahinter,  die neue Halbleitertechnologie schnellstens auf einen guten Stand zu bringen.

Für die Messebesucher funktionierten die Vorführungen, wie man es damals erwarten konnnte. Immerhin konnte z. B. gezeigt werden, daß man mit nur 1 Transistor als Sender bereits eine brauchbare Funktion erreichen kann.

 

Bisherige Erkenntnisse und Thesen zum Thema DDR- Spitzentransis...
...und warum diese so extrem selten sind, und es kein einziges bekanntes Industrie- gefertigtes Serien- Gerät (etwa Radio, Steuer-/ Regel-/ Meßtechnik) mit diesen Transistoren gibt:

Es gibt kein Gerät, und die Transis sind äußerst selten. Die wenigen Schaltungen stammen vom Hersteller. Amateur- Anwendungen stammen aus Westdeutschland und USA, also bekamen DDR- Amateure wohl keine in die Hand.

In den 5 Jahren 1954 bis 1959 wurden eine einigermaßene Stückzahl Spitzentransis hergestellt-
Die minimale Anzahl aufgrund unklarer Aussagen ("einige Hundert Transistoren...", das meint sicher pro Jahr) wäre m. E. um 2500.
Nach mir bekannten Serienbuchstaben und Nummern (1 Buchstabe, 3stellige Zahl, höchste Bekannte: 403), sowie dem Herstellungsdaten auf den Datenblättern, schätze ich auf 200 St./ Monat = 10.000 bis maximal 12500.
Die ersten und letzten Buchstaben/Nummernkombinationen der Seriennummer wären dann fortlaufend und konform mit den Baujahren !  1954: A001 bis E500, dazwischen weiter je 5 Buchstaen mit Zählung bis 500,  1959: U001 bis Y500).
Dazwischen gibt es "Nachzügler", das würde ich so erklären: Fehlerhafte Transis mußten nachproduziert werden, und bekamen bereits benutzte, zurückliegende Nummern. Wie Nummernschilder beim Auto.
Ebenfalls spielt die Bezeichnung 1Nxxx bis 3Nxxx eine Rolle.

Einziger "Vorzügler" ist der Transi in der Form der späteren OC8xx- Reihe, der schon 1956 existierte. Immerhin ist die Bezeichnung 5Nxxx aber folgerichtig.

Der vorstehende Absatz enthält aber nur MEINE Vermutungen.
Update: Es können auch unkonstante Maximalzahlen pro Monat gewesen sein- ich fand eine Nummer E716 von 1956)

Wo blieben die DDR- Spitzentransis?

Wieviel Spitzentransistoren auch das WBN Teltow verließen... es dürfte schon eine einigermaßene Anzahl gewesen sein.
Und eben die Tatsache, daß es kein Gerät gibt, in welchem sie verbaut wurden, läßt nachdenken.

Ein Zeitzeuge berichtete mir, daß Spitzentransistoren in kleineren Steuer- und Regeltechnik- Geräten verbaut wurden, etwa Schaltgeräte/ Relaissteuerungen.
Vermutlich waren das Kleinstserien, die vielleicht zwecks Test aoder aus Garantie- Gründen- nur im Herstellerwerk verwendet wurden.

Eine mögliche Erklärung könnte diese sein:
Auch die ersten amerikanischen (Spitzen-)Transis gab es nicht sofort frei zur Verfügung für Hersteller und Handel !
Diese wurden ALLE vom Militär aufgekauft- und gingen sofort an die Militär- Forschungslabore, die sich die Verkleinerung und Gewichtsreduzierung des elektronischen Equipments erhofften.
Die Patente wurden aber frühzeitig veröffentlicht, weil das Militär selbst die Technik als nicht geheimhaltbar einschätzte, und schnell gab es überall Transis frei käuflich.

Die DDR hatte zum Beginn der Transi- Ära 1954 jedoch noch keine eigene Armee, die "Nationale Volksarmee der DDR" wurde erst 1956 gegründet.
Und militärische Forschung hätte die Siegermacht Sowjetunion, die die DDR beaufsichtigte, mit Sicherheit nicht zugelassen.
Aber... sie hätte sich wichtige Erkenntnisse und Erfindungen sofort gesichert !

Ich halte es für eine logische Erklärung, daß die ersten DDR- Transis nahezu vollzählig in die Sowjetunion gingen, wahrscheinlich als Reparationsleistung, wie damals auch der erste DDR- Fernseher "Leningrad", von dem nur eine Handvoll bei parteitreuen Persönlichkeiten blieb, heutige "Leningrad" sind oft "Re- Importe".
Und dort gingen die Transis dann wahrscheinlich in sowjetische Militär- Forschungsstellen, denn auch in der SU wurden keine Normalverbraucher- Geräte damit hergestellt. Und als sich der Flächentransi durchsetzte, gab man sich auch dort nicht mehr mit den Dingern ab.

Allerdings sollen- dem Zeitzeugen nach- die Spitzentransistoren zum Ende ihresr Produktion verschrottet worden sein!

Das widerspricht eigentlich jedweder Auffassung von Wirtschaftlichkeit, das Ergebnis jahrelanger Produktion- aufwendig in Handarbeit hergestellte Teile, einfach zu verschrotten... !?
Das waren doch bereits produzierte Werte, im Wirtschaftsjargon "lebendige Arbeit".
Oder gab es einen "Generalbefehl" ?
Wer aber hätte den gegeben ?


Wieso hat man die nicht einfach... an interessierte Bastler und Amateure... verkauft ???

Allerdings... waren das andere Zeiten. Da lebte ich noch nicht...
Ich bin noch auf der Suche nach weiteren Zeitzeugen, die vielleicht mehr wissen.

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