Analyse eines unbekannten Schaltplans

Analyse eines unbekannten Schaltplans

(Klick auf das Bild -> Vergrößerung)

Unbek_Elektroplan

Vorbetrachtungen

Gefunden: Ein Schaltplan aus alten Funktechnik- Zeitschriftenfragmenten, die mir mein Großvater hinterließ, und deren Inhalt ich vor dem Zerfall retten möchte.


So dargestellt, wie gescannt, rote und grüne Linien sind am Verblassen.
Handgemalter Schaltplan, aber nach der Art der Zeichnungselemente könnte er aus den frühen 20er Jahren sein- die Röhre ist gezeichnet wie eine Liebenröhre,

Es dürfte sich um ein  Stromversorgungsteil handeln, es sieht auf den ersten Blick nach einer üblichen Zweiweg- Gleichrichtung aus.

Merkwürdig ist die Instrumentenanordnung, die Quellspannungen und die unpassenden Meßbereiche. Auch die 4 "halb wassergefüllten Kästchen" (unter den Instrumenten), der Kreuzschalter...

Analyse

Ich habe mich darangesetzt, mit Splan die Schaltung zu einer verständlichen Schaltung aufzudröseln...

Der "Kreuzschalter" im alten Plan ist keiner, jedenfalls wäre es eine lebensgefährliche Katastrophe, an dem gezeichneten Symbol einen solchen einzusetzen.
2 Schalter, die gleichzeitig oder nacheinander einschalten (erst Netz, danach Netz + Minus- Gleichstromausgang geschlossen), wären logisch.
Die "halb wassergefüllten Kästchen" interpretiere ich als Sicherung, das Gekrissel dürfte den Sand in üblichen Porzellan- oder Glas- Sicherungselementen symbolisieren.
Rechts unter den Sicherungselementen ist ein Schalter, dessen Kontakte nicht gezeichnet sind, die würden vertikal, von der orange gezeichneten Kontaktleiste je nach darüber links oder rechts, gleichzeitig darunter links oder rechts, Kontakt herstellen müssen.

So gezeichnet, ergibt die Schaltung jetzt Sinn.

Ergebnis:

Es handelt sich also um ein Netzteil mit 28 oder 48 V Ausgangsspannung, der Strom ist mit einem "Rheostat" (alter Name für Drahtwiderstand mit Abgriff, auch für Drahtdrehwiderstand) begrenzbar.
Gleichzeitig sind mehrere Netzspannungen durch "Autotrafo- Sparschaltung" darstellbar, und die Roh- Wechselspannungen von Heizung Gleichrichter und Ausgangsspannung(en) sind abgreifbar.
Die Anzeigemeßinstrumente realisieren eine "Spannungsrichtige Anzeige", d. h. die Spannung am Verbraucher wird korrekt angezeigt, die Stromanzeige beinhaltet auch den (Eigen-)Strom des Voltmeters.

Die beiden Anschlüsse oben links, "220 V" und "110 V", dürften Steckdosen für zu prüfende Geräte sein, die Zuführung der Speisespannung erfolte wahrscheinlich an den Klemmen links. Umgekehr wäre aber auch denkbar.

Die Schaltung scheint der Symbolik nach sehr alt zu sein, 6- polige Sockel/ Fassungen gab es tatsächlich in den Röhren der 20er Jahre, wurde dann durch die 5- poligen Europa- Sockel abgelöst.

Es ist aber eine sehr gut durchdachte Schaltung, die für eine Werkstatt sinnvoll wäre, die Schaltung stammt aus einer lose- Blätter- Werkstattsammlung, und die durchaus auch mit den gleichen Bauelementen der letzten Jahre der Röhrenära aufgebaut werden könnte.


Verwendungszweck

Die Ausgangsspannung und der sehr hohe Strommeßbereich weist auf ein Ladegerät für ein oder zwei 24- V- Akkus hin.
Solche Gerät gab es, die Röhren waren eigentlich Quecksilberdampf- Gleichrichterröhren, die erstaunlich hohe Ströme liefern konnten, und ich habe ein solches Gerät -erweitert zum Akku- Regeneriergerät- erfolgreich gebaut, siehe hier.

Blau: Minusleitung (Masse, Bezug)
Grün: Roh- Anodenwechselspannungen für den Gleichrichter
Rot: Gleichgerichtete Spannung, Plus gegen Bezug


(Klick auf das Bild -> Vergrößerung)

Unbek_Netzteil