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Restauration Funkwerk Köpenick "Normal- Oszillograph" OG2-1, DDR 1953


Oszillograph bei der Ankunft und erster Test

Von einem Funkamateur, Jörg, DL3TO, Bad Wilsnack, bekam ich zur Unterstützung des "Voxhaussender"- Projekts Bauteile und Baugruppen für bessere Stromversorgung, und dazu dieses Prachtstück der frühen DDR- Meßtechnik- Vielen Dank an DL3TO !!!

Und da ist der "Briefbeschwerer":
Oszillograph "OG2-1" der "Schiffsanker- Klasse", 72 Kg pure Technik.
Und das macht doch schon Probleme.

Das Gerät stellt man nicht allein mal so auf den Tisch- schon die Anordnung der Griffe auf der Oberseite macht das unmöglich, und seitlich umfassen und hochheben ist zwar möglich, aber für die Wirbelsäule riskant, und auch ein sanftes und genaues Absetzen kaum möglich.
Ich habe mir so geholfen, daß ich das Gerät angekippt habe, auf der hohen Seite auf eine Stuhlplatte gehoben, und dann die andere Seite auf ein Schränkchen, auf welchen der Oszi jetzt steht. Dabei auch immer dicke Decken untergelegt.
Das muß man auch sehr vorsichtig machen, um den Stuhl nicht zu kippen.

"OG2-1" ist aus der DDR, Hersteller ist das "Funkwerk Köpenick", das in den 80ern die bekannten KW- Empfänger "EKN", "EKV", "EKD" u. a. herstellte.
Aber... OG2-1 ist von... 1953 !
So alt, daß dieses Gerät völlig unbekannt ist !

Es gibt in alten Dokumenten Hinweise, daß das Gerät bereits 1947 entwickelt wurde, möglicherweise im Meßgerätewerk Zwönitz.
Hergestellt wurde es auf Weisung der russischen Besatzungsmacht in der "Sowjetischen Besatzungszone" = "SBZ", die später die DDR wurde, siehe CIA- Dokument unten. Wenn es so in Auftrag gegeben wurde, gingen die Geräte als Kriegs- Reparationsleistung in die Sowjetunion, so wie auch die ersten Fernsehgeräte der DDR, der "Leningrad T2".
Von diesen Geräten blieben nur wenige im eigenen Land. Wahrscheinlich gibt es darum kaum Informationen zu dem Oszi.
Ob es noch weitere Exemplare des OG2-1 gibt, ist fraglich, dermaßen schwere Geräte landeten meist im Schrott.

Phantastisch !
Vorsichtiges Einschalten und "Hochfahren":
NICHTS kaputt ! Alle Funktionen da !
Der Besitzer hat ihn vor langer Zeit außer Dienst gestellt, nur gelegentlich mal ans Netz und eingeschaltet. So stand er in einer Garage, und wartete auf seine Wiederentdeckung.

Nachtrag: 70 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen- Eine Netzgleichrichterröhre gab nach einiger Zeit mit Überschlägen den Geist auf- die Systeme in der Röhre waren lose und klapperten, eine Bewegung beim Transport hatte vielleicht ausgereicht, Kathode und Anode anzunähern, und Überschläge zu erzeugen.
Die Röhre kann natürlich schnell gewechselt werden, die ist bestellt,  solange tut es ein Adapter mit Silizium- Dioden und Schutzwiderständen.
Die Elektrolytkondensatoren haben ebenfalls Defekte, trotz Formierung haben sie hohe Restströme und zeitweise erzeugen sie hohe Stromspitzen, da es nur 10 Stück sind, werden die alle ausgetauscht.

Vom Können her entspricht der OG2-1 dem EO174A oder EO213.
Nur- dies sind Mobil- Einsatz- geeignete Service- Oszis in Schuhkartongröße, die kann man für einen Kundenbesuch mal schnell auf den Autositz schmeißen.
Mach' ich das mit dem OG2-1... kippt das Auto um... 🙂

Funkwerk Köpenick- für Rundfunk-/ Fernsehtechniker in Berlin (DDR) ein Begriff, aber diese sehr frühen Geräte sind kaum jemand bekannt.
Und... von denen, die das entwickelt und gebaut haben, wird wohl keiner mehr unter uns sein.

Übrigens: Man darf nicht vergessen: Es ist bemerkenswert, was 8 Jahre nach dem Krieg in der DDR schon wieder ging- wenn man die Fotos sieht- eine sorgfältige Konstruktion, sauberste Ausführung, und vorbildliche Reparaturfähigkeit.

Daß der Oszillograph nach 70 Jahren auf Anhieb funktioniert, beweist die hervorragende Qualität.

Den Werktätigen des Funkwerks Köpenick kann man allerbeste Arbeit bescheinigen !"

 

Draufsicht bei der Ankunft.
Alle Gehäuse- Blechplatten sind mit schwarzem Kräusellack (Schrumpflack) lackiert. Etwas Wasser und Seife zu ersten Reinigung, so sieht das noch annehmbar aus. Später ist Pflege mit Öl angedacht.

 

Frontansicht, Bildröhre 17cm.

 

Typenschild

Tabelle für die Frequenzbestimmung der X- Ablenkung.

Die Angabe in µsec/cm ist üblich, aber der OG2-1 gestattet eine geeichte Dehnung des Zeitmaßstabs, angezeigt mittels eines Meßwerks, so daß die Periodendauer -der Reziprokwert der  Frequenz- des angezeigten Signals moittels der Tabellen genau bestimmt werden kann.

Heute erscheint dies merkwürdig, aber wahrscheinlich hat man den Generator der Zeitablenkung auf hohe Frequenzstabilität getrimmt, so daß man den Oszillographen als Frequenznormal verwenden konnte, daher der Name "Normal- Oszillosgraph".

Das ist eben sehr alte Technik.
Indes- schlecht ist sie nicht. Und ist immer noch nutzbar- die Physik hat sich ja nicht geändert.

Das ist ja allerliebst- der OG2-1 ist kaum in DE bekannt, aber seinerzeit (1952) interessierte sich der Auslangsgeheimdienst CIA für den schweren Klopper.
Dachten die, das Ding könnte man als Bombe abwerfen ? 🙂



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