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Restauration Siemens SB 780, Teil 11- Fertigstellung Schatulle

Restauration Siemens Schatulle "Majestoso" SB 780 (De, 1949/50) m. Platte u. FB, Teil 11, Fertigstellung Schatulle

(Fotoserie unten)

 Pünktlich zu Weihnachten konnte ich die Restauration der Siemens- Schatulle endlich abschließen.

Seile wechseln

Zuerst die Skalenseile, die Stahlseile waren ja weggerostet gewesen, die Stoffseile waren auch schon abgenutzt, ich wechselte ALLE Seile.

Das allein war eine Arbeit von... 8- 9 Stunden !!!

Warum war soviel Zeit nötig ?
Ich hatte keinen Seillaufplan, die alten Seile waren zudem falschherum aufgezogen, damit lief der Zeiger entgegengesetzt der Skaleneichung.
Zudem gibt es keinen Plan für den Seillauf des UKW- Einbauteils, dies war ja ein Nachrüstgerät, da mußte der Rundfunktechniker eigenverantwortlich für den korrekten Seillauf sorgen.

Es waren mehrere Versuche nötig, die beste Seilführung zu finden, die den Zeiger in die korrekte Richtung führt, und nicht das Seil an einem Ende am großen Seilrad abhebt, was den Zeigerweg verfälscht, die Umschlingungen dürfen sich nicht überwerfen, was das Seil blockiert, an Kreuzungspunkten dürfen die Seilabschnitte nicht aneinander reiben, das führt irgendwann zum Reißen.


Dann ist es wirklich extrem schwer, superdünne Stahlseil- Litzen (0,2 mm) aufzuziehen, ein Fehler, das Seil springt ab, und bekommt Knicke, oder drillt sich zur Spirale auf, die nur sehr schwer schadlos aufzudröseln ist.
2 Meter Stahldraht habe ich so "verheizt", mußte ich abschreiben.

Ich mache solche Arbeiten "für Gynäkologen- Hände" aber ausgesprochen gern. Ich nehme dabei Isolierband und Drahtstücken zu Hilfe, die das Skalenseil teilweise fixieren.

Skale einbauen

Die Skale habe ich sorgfältig und äußerst vorsichtig trocken -nur mit Anhauchen- gereinigt.
Auch das dauert lange.
Eine Besonderheit der Schatulle SB780 ist, daß die Skale allein im Gehäuse sitzt.
Das ist ein Vorteil, das Hantieren mit dem Chassis gefährdet nicht die Skalenscheibe.
Die Stoff- Unterlagestreifen im Gehäuse waren verschlissen, ich beute neue Unterlagen ein.
Die kann man aus buntem Filz gewinnen, oder in diesem Falle verwendete ich... gewöhnliche, farbige Schnürsenkel !!!

Die "Große Kondensator- Kur"

Wie üblich bei den alten Geräten, habe ich die "Große Kondensator- Kur" vorgenommen. Nur zwei Kondensatoren waren schon modernere Typen, waren schon in den 50ern oder 60ern eingewechselt worden. Ich habe sie mitgewechselt, aber nur der Ansicht wegen.
Es erwies sich, daß die alten Original- Kondensatoren, obwohl das Gerät noch gut funktionierte, hinüber waren- alle weit außer Toleranz, nur eben noch gerade funktionsfähig.
Ausnahmslos alle alten Kondensatoren hatten Nebenschlußwiderstände um 1 MOhm.

Einige Kondensatoren waren versteckt eingebaut, in einer Poti- Abschirmung. Andere saßen unter den Wellenschalter- Segmenten.
Zwei Kondensatoren waren in Blechkästchen eingebaut, die "Blockkondensatoren", ich habe diese geöffnet, und neu befüllt.

Mit jedem Kondensator, der gewechselt wurde, stieg die Leistung deutlich!

Natürlich habe ich diese Arbeit gemäß meiner eigenen Restaurationsweise -mit Stilnachbau- Kondensatoren, den "grünen Edi- Kondensatoren"- durchgeführt

Dann ein ordentlicher Abgleich, die Spulenkerne hatte ich ja schon bei Vorarbeiten gängig gemacht, und mit Silikonöl bepinselt.
Das Gerät funktionierte nun richtig gut.

Lautsprecherjustage

Nur beim Anschluß eines Plattenspielers stellte ich fest, daß einige tiefere Töne verzerrt waren.
Ursache: Nein, niocht der Tieftöner. Es war- der Hochtöner.

Der Hochtöner war mit Stoff gegen Staub abgeschirmt. Das ist sinnvoll- die Spule ist komplett zugänglich, von vorn und seitlich, dadurch besteht die Gefahr, daß Staubteilchen zwischen Magnet und Spule geraten..
Es war jedoch kein Staub, die Spule war nicht mehr mittig im Luftspalt.
Glücklicherweise ist die Spulen- Zentrierspinne nur 2- seitig angeschraubt, und sehr gut justierbar.

Ich habe die Zentrierung gelöst, die Spule war superleicht in alle Richtungen verschiebbar.

Zwischen Spule und Luftspalt paßte ich in 4 Richtungen 4 Blättchen dünnes Papier ein. Die Blättchen hielten die Spule genau zentriert.
Ich konnte die Zentrierung dann wieder zuschrauben, und die Papierstreifen herausziehen.

Neuen Stoffbeutel um den Lautsprecher gelegt, eingebaut, getestet, funktioniert !

Ursache war also nur "der Zahn der Zeit", die Menbran hatte sich vielleicht um einen Zehntel Millimeter in eine Richtung verzogen.
Ich muß sagen- die Reparaturmöglichkeit herstellerseitig so einfach zu machen... das ist schon Klasse !

Endmontage, Test und Beurteilung

Dann die Endmontage. Chassis einsetzen, festschrauben, Rückwand anbauen, Alle Anschlüsse belegen.

 Ich habe die Schatulle jetzt einige Tage in Betrieb.
Der Klang ist... phantastisch !

Auf den AM- Bereichen Kurz-, Mittel- und Langwelle kann dem 66 Jahre alten Radio ein heutiges Gerät nicht das Wasser reichen !

Es braucht natürlich Sendungen, die in sehr guter Qualität ausgestrahlt werden, dies tun aber etliche Sender, wie Stationen der Chinesen und Franzosen- und da läuft die SB 780 zur Höchstform auf.

Viel trägt die Bandbreiten- Verstellmöglichkeit zum hervorragenden AM- Klang bei.
Frage mal jemand im Media Markt, welche heutige Stero- Anlage das kann...Lachend.


Sehr schön: ein großer Gesamt- Kurzwellenbereich, sowie 3 einzelne, auf die gesamte Skalenlänge gezogene Kurzwellenbänder.
Dazu eine Grob- und Feintrieb- Mechanik (Planetentrieb)
am Stellknopf, sowie die höchstpräzise Skalenanzeige, bestmögliche Wiederkehrgenauigkeit einer Einstellung Dank nichtdehnender Stahlseile, wie bei professionellen Funkempfängern, so macht die Jagd nach Radiostationen Freude !

UKW klingt absolut sauber, ist jedoch etwas tiefenbetont. Der Grund ist: Der UKW- Empfangsteil ist ein universelles Nachrüstteil, welches nicht optimal an ein einziges Gerät angepaßt ist.
Der Klangsteller der Schatulle kann die Tiefen etwas zurücknehmen- der Klang ist jedoch nie ausgewogen.
Dennoch fand ich keinen Anlaß, die Anpassung zu verbessern. Viel Herumschrauben... da kann man auch "verschlimmbessern".
Ich denke auch, daß nur ICH den Klang als nicht ausgewogen empfinde, weil ich den Vergleich habe- andere Personen finden den Klang absolut top.

Die UKW- Empfindlichkeit ist gut, und das bei einem Empfangsteil "der ersten Stunde", denn der UKW- Einbausuper UK83W wurde von 1952 bis1954 gebaut, und der UKW- Rundfunk begann 1952 !

Tonabnehmer: Die Wiedergabe moderner Schallquellen läßt nun keine Wünsche merh offen- ich habe einen HiFi- Vinyl- Plattenspieler mit magnetischem TA und elektronischen Entzerrer dran- Perfekt.

Fazit

Die Siemens- Schatulle SB 780 "Maestoso" ist optisch eher bescheiden.
Aber technisch ist sie ein Gerät, welches die Bezeichnung "Großsuper" verdient- für ein Gerät, welches gerade 3 Jahre nach dem Krieg produziert wurde- eine großartige Leistung.
Baulich eine Qualität, die ihresgleichen sucht.
Klanglich dasselbe- obwohl weder HiFi noch Stereo,
nach 66 Jahren noch immer
in der Oberklasse. 

 Fotoserie


Skalenseile aufgezogen

Wellenanzeige
Wellenanzeiger

Bandbreitensteller
Bandbreitensteller, wie damals üblich, mit Tonblende gekoppelt.

Skalenhintergrund
Skalenhintergrund neu angefertigt, ich nahm einfaches, weißes Papier, die Sklalenlampen sind weit genug vom Papier entfernt..

Skalenhintergrund montiert
Der Skalenhintergrund wird zwischen Haltern und Federn eingezogen
(hier noch das alte Blatt)

Skalenrahmen_mit_Stoff_auslegen
Filzunterlagen für die Skale eingeklebt- anstelle Filzstreifen nahm ich Schnürsenkel (braun)

Skale original
Skale original

Skale_restauriert
Skale aus dem Foto restauriert, falls sie mal benötigt wird.

Skale_montiert
Skale remontiert

Skale_vorn
Skale von vorn

BlockkondensatorenBlockkondensatoren

Blockkondensatoren_zerlegt
Blockkondensatoren zerlegt

Blockkondensatoren_neu_befuellen
Blockkondensatoren neu befüllen

Blockkondensatoren_neu_befuelltBlockkondensatoren neu befüllt, und mit Edi- Etikett versehen.

Blockkondensatoren_remontiert
Blockkondensatoren remontiert

Kondensatoren_am_Poti
Zwei Kondenstoren verstecken sich am Poti.
Ich habe Euch aber gefunden. Ätsch !

Chassisunterseite vorher
Chassisunterseite vorher...

Edi-Kondensatoren
Chassis- Unterseite nachher, mit "grünen Edi- Kondensatoren"
Die Edi- Kondensatoren entsprechen übrigens Siemens- Kondensatoren, eine Ausführung, die in einem SABA verbaut war, da waren sie gelb, mit blauen Seitenstreifen.

 Hochton-Lautsprecher
Hochton- Lautsprecher

Hochton-Lautsprecher_Zentrierspinne
Offene Spule und Zentrierspinne

 Hochton-Lautsprecher_dejustiert
Die Spule ist nicht mehr zentriert

Hochton-Lautsprecher_dejustiert
Detailvergrößerung: Oben geringer Abstand Spuleninnenseite/ Magnet, rechts großer Abstand.

Hochton-Lautsprecher_Justage
Zentrierung: Zentrierspinne lösen, mittels 4 Papierstreifen zwischen Spule und Magnet, oben/ unten/ links/ rechts, wird die Spule genau auf Mitte gebracht.
Die Zentrierspinne kann nun wieder festgeschraubt werden.
Nach dem Herausziehen der Papierstreifen ist die Spule genau mittig.

Hochton-Lautsprecher_remontiert
Chassis und Hochtöner mit Stoffbeutel remontiert.

 Rueckwand_remontiert
Rückwand angebaut, Gehäuseantennen und Plattenspieler angeschlossen

Schatulle fertig
Die Schatulle ist fertig. Sie steht auf "ihrem" Plattenspieler- Schrank, der in einigen Tagen fertig wird.
Auf der Schatulle steht ein moderner HiFi- Plattenspieler- ich digitalisiere gerade einige Vinylplatten, die Schatulle ist dabei Kontrollmonitor.

 

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