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Restauration Wohlmut- Heilstromgerät, Teil 1

Restauration Wohlmut- Heilstromgerät, Teil 1

Von Nils, einem netten Mitglied im Dampfradio- und Grammophon- Forum, bekam ich ein Gerät, welches er vor der Sperrmüll- Entsorgung rettete, und welches ich erst für eine historische "Netzanode" (Anodenspannungs- Stromversorgungsgerät) für Radios der 20er/30er Jahre hielt.
Ein sehr gut erhaltenes, ausgesprochen schönes Gerät, das ich gern geschenkt nahm.

(Nochmals Danke !!! Lächelnd )

Nils vermutete, es wäre ein medizinisches Gerät, ein Reizstromgerät.
Es ist aber eindeutig eine Gleichstromquelle. Eine medizinische Anwendung hielt ich erst mal für unwahrscheinlich, zumal Reizstrom meines Wissens meist mit Wechselstrom realisiert wird.

Allerdings... fand ich dann Hinweise, die belegen, daß es sich tatsächlich um ein altes, medizinisches Gerät handelt, und zwar ein "Feinstromgerät nach A. Wohlmuth".

Die Bedienfront sieht nach 20er/ 30 Jahre aus, das Baujahr soll jedoch, einem Experten zufolge, zwischen 1960 und 1970 liegen.
Zu dem Gerät gehören Batterien, diese bekomme ich noch, selbige sollen aber mit 1935 gestempelt sein.

Das korrekte Baujahr wird also noch zu klären sein.

"Feinstrom" bezeichnet geringe, ungefährliche Gleichströme durch den Körper, mit Stromstärken  um 1 Milliampere.
Die Spannunmgen, die diese Ströme erzeugen, liegen im Bereich der "Schutzkleinspannung", weit unter 48 Volt.

Ankunft

 
Das Gehäuse ist wie neu. Die weißen Punkte
links waren  Wandfarbe- Spritzer, diese ließen sich abwischen.

 
Das Strommeßgerät im Messinggehäuse ist ein Blickfang- es sieht aus wie ein antikes Schiffs- oder Elektroanlagen- Meßgerät.
Leider ist die Zeigerachse aus dem Lager, es muß repariert werden.

 
Hersteller- Plakette

Informationen zum Heilverfahren

Die Galvanische Feinstromtherapie (teilweise auch Galvano-Therapie, benannt nach dem Erfinder der Batterie Luigi Galvani 1737-1798), bezeichnet in der Alternativmedizin, im Wellnessbereich und in der Kosmetik die Anwendung von Gleichstrom aus Batterien, der zahlreiche und stets positive Heileffekte nachgesagt werden.
Bei der Galvanischen Feinstromtherapie werden geringe Ströme angewandt, die vom Menschen nicht gespürt werden. Die Verwendung derartiger geringer Gleichströme hat zur Bildung der Wortkreation "Feinstrom" geführt.

Die Feinstrom- Behandlung gibt es seit etwa 150 Jahren, ab den 20er Jahren bis in die 70er Jahre gibt es Geräte, die vom Ingenieur A. Wohlmuth für diesen Zweck entwickelt wurden, heute auch sehr moderne Geräte.
Wichtig soll die unbedingte Verwendung reinsten Gleichstroms -aus üblichen, chemischen Batterie- Zellen- sein, gleichgerichteter und geglätteter Wechselstrom wird als ungeeignet beschrieben.

Das Feinstromverfahren mit geringem Gleichstrom wird von einer Anzahl Menschen als angenehm empfunden, und es wird von Anwendern als wirksam beschrieben, aber es hat sich in der Medizin nicht durchsetzen können, es ist eine alternativmedizinische Anwendung, die von Heilpraktikern genutzt wird.

Es gibt diese Geräte noch, bzw. wieder, moderne Geräte sollen immer noch genauso funktionieren, wie die historischen Geräte, u
nd es gibt eine Anzahl Menschen, die das Feinstromverfahren anwenden, und darüber berichten, gelegentlich kommen dabei auch die historischen Geräte zur Anwendung. Viele Anwender sind im "Verein für Galvanische Heilkunde e. V., der sich für diese alte Heilmethode einsetzt, hier bekam ich auch hilfreiche Informationen zu dem historischen Gerät, wofür ich mich hier bedanken möchte.
Lächelnd

Für Leser, die sich für die alte Therapiemethode interessieren, hier der Link zum Verein für Galvanische Heilkunde e. V.

Hier geht es nicht um eine Diskussion der medizinischen Aspekte, ich finde diese aber interessant, und werde es "im Selbstversuch" testen.

Das Wohlmuth- Heilgerät in historischen Zeitschriften



Bildquellen:
Die historischen Fotos wurden mir von der Gesellschaft für Galvanische Heilkunde e. V.  zur Verfügung gestellt- Vielen Dank !

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Restauration


Zur Restauration muß das Gerät natürlich geöffnet werden, also- Unterdeckel ab.


Da ist doch was... ein Stempel...


Genau.
Hier hat der Kontrolleur (oder die Kontrolleuse) Bäuerle ganz sauber einen Datumsstempal hingesetzt.
Das Gerät ist damit eindeutig aus den 30ern.
Das erklärt das antike Design, obwohl die Geräte noch lange so gebaut worden sein sollen.


Die Frontplatte von hinten.
Die beiden langen Drähte sind die Batteriezuleitungen.

 

 
Der "Stromregler", ein "Rheostat", das ist der alte Name für einen Drahtdrehwiderstand.
Äußerst solide gebaut.

 


Der "Polwender" oder "Stromwender". Anstelle der Kupferdraht- Brücke gehört ein Widerstand hinein, der war im Laufe der Jahrzehnte wohl kaputtgegangen, und durch die Brücke ersetzt worden.

 


Das Anzeigeinstrument, ausgebaut. Wie zu sehen, zeigt es irgendwas an, aber nicht den Nullpunkt.

 


Das Anzeigeinstrument geöffnet, Drehspulmeßwerk ausgebaut.

 


Oben im Meßwerk: Lagerzapfen und Lager sind auseinander.

 


Unten im Meßwerk: Lagerzapfen und Lager sind auseinander.
Es sind Risse im Material zu sehen- die gefürchtete "Zinkpest".

 


Seitlich betrachtet, ist klar, warum die Drehspule in der Luft hängt...
Dank der Zinkpest ist der Spulenhalter nicht nur gerissen, sondern auch total verzogen.

Dieser Fehler, der Zerfall des Materials Zinkdruckguß, ist typisch für viele Gegenstände, die zwischen 1930 bis etwa 1935 gefertigt wurden.Ursache ist Aufnahme von Luftfeuchtigkeit, die Zinkdruckguß reißen und aufquellen läßt.


Die Fans der alten Märklin- Modelleisenbahnen wissen ein Lied davon zu singen, Loks, deren Außengehäuse zusehends zerbröselte.

Gegenstände, die immer warm und trocken gelagert wurden, können aber durchaus noch fehlerfrei sein !
IDies ist bei Geräten, die den Krieg überstanden haben oft nicht so, klar, nach dem Krieg gab es Zeiten, in denen es kaum Heizmaterial gab.

Ich hatte ein Radio von SABA, einen 335 WL von 1935, mit diesem Fehler- der Drehkondensator war durch Zinkpest unrettbar verloren.

Immerhin fertigten einige Hersteller später Ersatzteile aus besserem Material, eben genannte Firma SABA- andere wahrscheinlich auch. Zumindest wurde die Materialmischung, die diesen Fehler zeigte, nie mehr verwendet.

Mit dem Wohlmuth- Stromanzeige-- Instrument geht jetzt also gar nichts mehr.
Das Instrument ist unreparabel.

Oder ???

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