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Rechercheergebnisse NACH dem Projekt und Korrektur historischer Darstellungen


Durch Recherchen in Dokumenten, die mir erst NACH dem Projekt zugänglich wurden, habe ich feststellen müssen, daß der Schaltplan, der allgemein für für den "Voxhaussender- Tischaufbau" angegeben wird, und den ich auch so realisiert hatte, nicht der ist, der dem auf den Fotos abgebildeten Sender- Tischaufbau entspricht.

Dieser in sehr vielen Quellen als "Voxhaussender- Tischaufbau" verwendete Schaltplan stammte aus Zenneck/ Rukop "Drahtlose Telegraphie" von 1925, und moduliert zwar mit Gittergleichstrom- Modulation...
..aber diese ist nicht am Gitter, sondern am "kalten Ende" des Senderschwingkreises angesetzt.
Was vom Prinzip her eigentlich keine Rolle spielt, wenn diese Lösung richtig angewandt wird.

Dennoch ist die Schaltung definitiv anders, als der gezeigte Tischaufbau.

Der Tischaufbau zeigt in der Vergrößerung des hervorragenden Fotos der Zeitschrift "rfe", sowie eines anderen Fotos von der linken Seite aus eine deutlich andere Verdrahtung.

Wichtig aber: In den bekannten Schaltplan fehlen einige auf dem Tisch sichtbare Bauteile: Mehrere Widerstände, und eine deutlich erkennbare, birnenförmige Röhre oder Glühlampe und eine Spule oder Drossel fehlen ebenfalls.

Die fehlenden Bauteile sind in einer Schaltung von Fuchs, 1922 (!) zum Teil, in einer Schaltung in  Riepka, 1925 sogar alle vorhanden, und in diesen beiden Schaltungen ist die Gittergleichstrom- Modulation tatsächlich am Gitter der Senderöhre angeflanscht.

Im Prinzip sind  beide Schaltungen gleichwertig.

Jedoch zeigen alle Quellen außer Fuchs und Riepka eine andere Schaltung, und diese auch noch als unvollständige Prinzipschaltungen.

Allerdings ist auch zu bemerken: Es gab nachweislich mehrere zeitliche Ausbaustufen und/ oder parallele Varianten des Senders mit dem gezeigten Schaltungsprinzip.

Es fehlen beim bekannten Bild des "Voxhaus- Senders" ggü. dem Foto im Zenneck/ Rukop-Plan mindestens 2 Widerstände, die eine relevante Funktion haben, nämlich eine definierte Grund- Gitterspannung zu gewährleisten.
(Hierzu sind die Impedanzen der Umgebung zu beachten !)
Es geht auch ohne diese Widerstände- wenn man die Schaltung analysiert, ist jedoch anzunehmen, daß deren Fehlen Stabilitäts-Probleme bewirken könnte.
- Die ich auch feststellte.
Fuchs erklärt dies auch, wenn auch nur mit einem kurzen Satz:
"...Widerstand W...als Sicherheitsventil...er stabilisiert den (Edi: Schwing-)Vorgang, indem er einen Teil des Gitterstromes aufzunehmen vermag".

Die gilt für beide WIderstände, obwohl die Parallelschaltung zum Modulationstrafo widersinnig erscheint- Nein, die Impedanz des Trafos zur Gitterseite ist möglicherweise sehr hoch, die NF- Spannung beträchtlich, damals nicht selten. Die Modulatorröhre wird mit der 30V- Gittergleichstrombatterie (Plus am Gitter !) auf den Arbeitspunkt gebracht.

Der vermeintlichen Originalität wegen hatte ich den mir bis dahin bekannten Schaltplan realisiert, und schwer zu kämpfen, eine konstante und qualitätsmäßig annehmbare Modulation zu erreichen.
Ein Fehler. Ich werde die Schaltung dementsprechend ändern.

Hier der historische Senderaufbau (Quelle Zeitschrift "rfe"10/1963, ich darf mit freundl. Genehmigung der Redaktion veröffentlichen)



Diese Schaltung wird -mit obigem Bild- als Schaltung des Voxhaus- Telefunkensender- Tischaufbaus für Berlin angegeben.
Der meistverwendete Schaltplan des "Voxhaussender"- Tischaufbaus:
SP aus Zenneck/ Rukop 1925, den ich auch realisierte.

Leider... ist das nicht der Schaltplan des Senders, der auf allen Fotos zu sehen ist !

Die Modulation wird nicht am Gitter, sondern am "kalten Ende" des Sender- Schwingkreises bewirkt.
Es fehlen ggü. dem obigen Foto etliche Bauteile, und auch die Verdrahtung (es gibt noch eine hochaufgelöste Links- Ansicht, die einiges erkennen läßt) scheint nicht überein zu stimmen.


Im Schaltplan fehlende Bauteile: 2 Widerstände, 1 Röhre, 1 Spule
Unter dem Widerstand links ist ein flacher Blockkondensator zu sehen.

Wie ich feststellte, darf der Gitterkondensator am "kalten Ende" des Schwingkreises als Drehko nicht groß sein, etwa unter 100 pF- als Keramikkondensator etwa 500 pF, darüber wird der Kondensator zur vollen Verbindung nach Masse, die Modulatorröhre ist vom Kondensator "überbrückt", Gitterspannung an der Modulatorröhre bewirkt... gar nichts mehr. Auch ein Überbrücken mit einem Draht erweist den Kurzschluß.
Warum es so einen großen Unterschied zwischen Drehko und Keramikkondensator gibt, ist mir auch noch nicht klar.


Noch 1927 wird die Zenneck/ Rukop- Schaltung angegeben,
SP Banneitz 1927, Prinzipschaltplan,
leider nicht komplett, auch hier Modulation am "kalten Ende" des Schwingkreises,
Außerdem ist am Kathodenanschluß eine Spule in Reihe mit dem Trennkondensator, der auch als Drehko ausgelegt ist- es ist nicht klar, ob diese als Drossel oder als frequenzbestimmendes Element dimensioniert ist.
ICH vermute, es handelt sich um eine Drosselspule.
Anderenfalls wäre es ein zusätzlicher, abzustimmender Kreis, bei der Vielzahl von Stellmöglichkeiten-2 Variometer, 2 Drehkondensatoren, sowie etliche Variometer- Abgriffe-  eine Erschwernis !


Das war wirklich ein Zufall, nicht in den Büchern der bekannten Experten Nesper, Kadisch, Treyse u. a., sondern schon früher, bei Fuchs, im Buch "Funkentelegraphie"...
...von 1922 (!)...
findet sich die Schaltung des oben gezeigten Tischaufbaus.

Schon da ist die Steuerung direkt am Gitter angegeben, und hier... sind 2 Widerstände, die auf dem Tischaufbau erkennbar sind, direkt an den Gittern !
Die Spule S am Gitter der Senderöhre ist natürlich eine Drosselspule, das Bauelement zwischen Gitter und Heizfaden ist ein Widerstand, dessen Symbol wohl durch schlechten Druck nicht mehr als Zickzacklinie dargestellt wird, aber die Bezeichnung "W2" erweist das Bauteil als Widerstand, ebenso wie "W" = Widerstand am Gitter der Modulatorröhre.
Hier ist auch der Sinn des Widerstands am Senderöhren- Gitter angegeben: Stabilisierung !
Es fehlt aber noch eine Röhre oder Glühbirne.




SP Nesper 1925, Steuerung direkt am Gitter, Prinzipschaltplan, die Widerstände an den Gittern fehlen. Der Trennkondensator Schwingkreis zu Gitter ist als Festkondensator angegeben.



Zenneck 1926: Erklärung der Modulation durch negative Anlaufspannung am  am Gitter, symbolisiert durch den Gitterwiderstand Rg und den ihn durchfließenden Gitterstrom Ig. Dg ist eine Drossel, die die HF von Rg abblockt. Ändert sich Rg, ändert sich auch die Gitteranlaufspannung.
Der Trennkondensator Schwingkreis zu Gitter ist als Drehko angegeben.


Zenneck 1926:  Erklärung der Modulation durch veränderliche Anlaufspannung am  Gitter, realisiert mit Modulatorröhre als veränderlichem Gitteranlauf- Widerstand. Gitterwiderstände fehlen.
Der Trennkondensator Schwingkreis zu Gitter ist nun als Festkondensator angegeben.

 

SP Funk- Wochenschrift 1924: Prinzipschaltplan,Steuerung direkt am Gitter, Gitterwiderstände fehlen, Der Trennkondensator Schwingkreis zu Gitter ist als Festkondensator angegeben.

Fehler: Die Typenbezeichnung der Modulatorröhre ist falsch, eine RV30 gibt es nicht. Es gibt eine RS31 oder eine RS230, die werden es eher nicht sein, weiter unten, in der Schaltung von Riepka, ist die RS5 angegeben, bei Radiomuseum.org wird sie ohne Domkontakt gezeigt,
Tubecollection zeigt sie aber in zahlreichen Varianten !


 
SP Funk- Wochenschrift 1924; Die komplette Sendeanlage, Schaltung des Senders wie vorstehend,
hier auch mit Modulations- Vorverstärker, Steuerung direkt am Gitter, Gitterwiderstände fehlen.
Somit leider nicht komplett, nur Prinzipschaltbild, 

 


SP Riepka 1925, mit Werteangaben von mir ergänzt.

Diese Schaltung entspricht weitgehend dem bereits 1922 veröffentlichten Schaltplan bei Fuchs, sie zeigt ALLE Bauteile des bekannten Fotos des
Voxhaussender- Tischaufbaus, ist also komplett.
Sie ist auch mit Werten versehen, was sehr hilfreich ist.
DAS dürfte genau die verwendete Schaltung des Tischaufbaus sein !


Hier ist, im Gegensatz zu Fuchs 1922, der Drehkondensator, zusammen mit einem Festkondensator, beidseitig an Abgriffen angeschaltet, was bei Wahl eines anderen Abgriffs die Schwingkreis- Resonanzfrequenz ändert.
Das wird noch zu klären sein.

Beachtenswert ist auch die positive Gittervorspannung der Modulatorröhre !
Ok, die Kennlinie gibt das ja her.
Interessant wäre dazu jedoch der Arbeitspunkt im Kennlinienfeld, ich werde versuchen, diesen zu ermitteln, das ist nicht so einfach, weil der Strom im Kennlinienfeld ein Gleichstrom ist, die Kathode aber im HF- Bereich liegt, sie bekömmt HF mit deutlichem Pegel vom Schwingkreis, für einen Strom in der Röhre wirkt natürlich nur die negative Halbwelle, die Spannung wäre meßbar, als Richtspannung, aber es ist an dem Punkt auch die positive Halbwelle vorhanden.
Jede Kapazität ist nun an der Kathode der Modulatorröhre ein Störfaktor, so wird ein Handmeßgerät als Strommesser herhalten müssen, vielleicht ein kleines Drehspulmeßwerk.

Der Trennkondensator Schwingkreis zu Gitter ist als Festkondensator angegeben, ein ggü. den Drehkos anderer Schaltungsversionen ein hoher Wert - es gab aber zu der Zeit auch Drehkos mit sehr hohen Kapazitätswerten, der Schwingkreisdrehko war ein solcher, denn die Haupt- Schwingkreisspule hat ja nur wenige Windungen !

Auch hier ist der Sinn des Widerstands am Senderöhren- Gitter angegeben: Stabilisierung !
Die Stabilisierung -der Amplitude- mit einem relativ niederohmigen Gitteranlauf- bzw. Gitterableitwiderstand um 20 - 50 KOhm ist z. B. in diesen Büchern als Maßnahme zur Stabilisierung der Oszillatoramplitude von Mischröhren beschrieben: Pitsch "Lehrbuch der Funkempfangstechnik", 1959, S403, Springstein "Einführung in die KW- und UKW- Rundfunkempfänger- Praxis, 1952, S. 127, Ratheiser "Rundfunkröhren- Eigenschaften und Anwendung", 1937, S.96

Und... hier ist endlich die birnenförmige Röhre, parallel zu einer Drossel, die ebenfalls auf dem Tischaufbau Foto erkennbar ist, im Schaltbild !

Die Röhre ist vermutlich eine Glühlampe als Indikator für den Strom.

Eine Glühbirne ?
Ja- die Senderöhre RS15 kann einen beachtlichen Gitterstrom verkraften, 30- 80 mA, somit kann man eine Glühbirne als Stromanzeiger verwenden.

Möglicherweise ist auch die Kaltleiterwirkung des Glühfadens als Stabilisierungselement relevant.

Die parallelgeschaltete Drossel ?
Ich vermute, daß die Drossel bei Durchbrennen der Glühbirne dafür sorgt, daß das Gitter nicht "in der Luft hängt"- bei 4000 V Anodenspannung könnte es sonst in der Röhre heftig "feuern".
Durch die Drossel würde bei Unterbrechung der Glühlampe immer noch die Gittergleichspannung entstehen können, aber keine HF vom Schwingkreis zum Gitter kommen, die Schwingung würde einfach aussetzen, die Röhre wäre durch die immer am Gitterwiderstand vorhandene Gitteranlaufspannung gesperrt.

Ich bin noch dabei, die Typenbezeichnung und technischen Daten der Glühbirne zu recherchieren.

Bemerkenswert ist, daß die Senderschaltung bereits 1922 in dem Lehrbuch veröffentlicht wurde.
Königs Wusterhausen sendete ja bereits 1920- 1922 einige Versuchssendungen, aber mit einem Lichtbogensender als Sendegerät.

Hier sind ALLE auf dem Tischaufbau sichtbaren
Bauteile im Schaltplan zu sehen (ich meine nur den Sender, außer Meßgeräte und Stromversorgung), und sie haben Werte- Angaben.

Obwohl nicht angegeben, dürften die Schaltungen des Fuchs- Lehrbuchs 1922, der Funk- Wochenschrift 1924 und dem Riepka- Lehrbuch 1925 die tatsächliche Schaltung des Voxhaussender- Tischaufbaus sein.

Der Voxhaussender- Tischaufbau wird auch vom selben Techniker bedient, der auf den Fotos des anderen Voxhaussenders, nämlich desVoxhaus- Schalttafel- Aufbaus, zu sehen ist, das erscheint logisch, weil beide Sender 1923, im Abstand von nur 4 Wochen (Ende Oktober, Anfang Dezember), in Dienst gestellt wurden, das Foto zeigt offensichtlich wirklich den Voxhaus- Tischsender.

 
Voxhaussender Schalttafelaufbau und Tischaufbau

 
 
Mit dem Voxhaussender nahezu identische Tischaufbau- Sender, m. W. von 1924, nur mit Flachspulen, und...
...seitenverkehrt.
Es ist nicht derselbe Sender- die Beschriftung ist jeweils richtigherum.
Auch diese Aufbauten besitzen die Glühbirne !
M. W. wurden diese Sender in Stuttgart und Frankfurt verwendet.

 

Quellen:
Zur historischen Recherche, korrekter Darstellung technischer und geschichtlicher Hintergründe, und ohne kommerzielles Interesse meinerseits, verwende ich frei im Internet zur Verfügung gestellte Quellen und eigene Scans aus  echten Büchern  Einzelschaltbilder, Skizzen, otos und Textauszüge unter dem Zitatrecht.
Die Bilder sind teilweise mittels Bildbearbeitung restauriert, ergänzt, korrigiert und für die Web- Darstellung aufgearbeitet.
Quell- Literatur:
1922  Fuchs- Funkentelegraphie

1924 Funk- Wochenschrift
1925 Zenneck/ Rukop - Drahtlose_Telegraphie
1925 Nesper - Der Radio- Amateur (Radiotelephonie)
1925 Riepka - Lehrkurs fur Radio-Amateure
1927 Banneitz - Handbuch der Bildtelegraphie und des Fernsehens
Foto aus 1968 Zeitschrift "rfe" (DDR)
Fotoausschnitte von Dokufunk.org und SWR
Fotoscan privat
Foto Museum für Telekommunikation

 

 

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