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Restauration Funkwerk Köpenick "Normal- Oszillograph OG2-1/52", DDR 1953


OG2-1/52 nach der Restauration

Von einem Funkamateur, Jörg, DL3TO, Bad Wilsnack, bekam ich zur Unterstützung des "Voxhaussender"- Projekts Bauteile und Baugruppen für bessere Stromversorgung, und dazu dieses Prachtstück der frühen DDR- Meßtechnik- Vielen Dank an DL3TO !!!

Und da ist der "Briefbeschwerer":
Oszillograph "OG2-1/52" der "Schiffsanker- Klasse", 72 Kg pure Technik.
Und das macht doch schon Probleme.

Das Gerät stellt man nicht allein mal so auf den Tisch- schon die Anordnung der Griffe auf der Oberseite macht das unmöglich, und seitlich umfassen und hochheben ist zwar möglich, aber für die Wirbelsäule riskant, und auch ein sanftes und genaues Absetzen kaum möglich.
Ich habe mir so geholfen, daß ich das Gerät angekippt habe, auf der hohen Seite auf eine Stuhlplatte gehoben, und dann die andere Seite auf ein Schränkchen, auf welchen der Oszi jetzt steht. Dabei auch immer dicke Decken untergelegt.
Das muß man auch sehr vorsichtig machen, um den Stuhl nicht zu kippen.

"OG2-1" ist aus der DDR, Hersteller ist das "Funkwerk Köpenick", das in den 80ern die bekannten KW- Empfänger "EKN", "EKV", "EKD" u. a. herstellte.
Aber... OG2-1 ist von... 1953 !
So alt, daß dieses Gerät völlig unbekannt ist !

Es gibt in alten Dokumenten Hinweise, daß das Gerät bereits 1947 entwickelt wurde, möglicherweise im Meßgerätewerk Zwönitz.
Hergestellt wurde es auf Weisung der russischen Besatzungsmacht in der "Sowjetischen Besatzungszone" = "SBZ", die später die DDR wurde, siehe CIA- Dokument unten. Wenn es so in Auftrag gegeben wurde, gingen die Geräte als Kriegs- Reparationsleistung in die Sowjetunion, so wie auch die ersten Fernsehgeräte der DDR, der "Leningrad T2".
Von diesen Geräten blieben nur wenige im eigenen Land. Wahrscheinlich gibt es darum kaum Informationen zu dem Oszi.
Ob es noch weitere Exemplare des OG2-1 gibt, ist fraglich, dermaßen schwere Geräte landeten meist im Schrott.

Phantastisch !
Vorsichtiges Einschalten und "Hochfahren":
NICHTS kaputt ! Alle Funktionen da !
Der Besitzer hat ihn vor langer Zeit außer Dienst gestellt, nur gelegentlich mal ans Netz und eingeschaltet. So stand er in einer Garage, und wartete auf seine Wiederentdeckung.

Nachtrag: 70 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen- Die Netzgleichrichterröhree gaben nach einiger Zeit mit Überschlägen den Geist auf- die Systeme einer Röhren waren lose und klapperten, eine Bewegung beim Transport hatte vielleicht ausgereicht, Kathode und Anode anzunähern, und Überschläge zu erzeugen, die andere Röhre hatte schlechte Emission, schlechtes Vakuum (Röhrenprüfgerät), und es gab ebenfalls starke Überschläge.
Die Röhren wurden gewechselt, ebenfalls -prophylaktisch, wegen der Überschläge- alle Elkos, obwohl diese an der Toeleranzgrenze, und eigentlich noch funktionstüchtig waren.

Vom Können her entspricht der OG2-1 dem EO174A oder EO213.
Nur- dies sind Mobil- Einsatz- geeignete Service- Oszis in Schuhkartongröße, die kann man für einen Kundenbesuch mal schnell auf den Autositz schmeißen.
Mach' ich das mit dem OG2-1... kippt das Auto um... 🙂

Funkwerk Köpenick- für Rundfunk-/ Fernsehtechniker in Berlin (DDR) ein Begriff, aber diese sehr frühen Geräte sind kaum jemand bekannt.
Und... von denen, die das entwickelt und gebaut haben, wird wohl keiner mehr unter uns sein.

Übrigens: Man darf nicht vergessen: Es ist bemerkenswert, was 8 Jahre nach dem Krieg in der DDR schon wieder ging- wenn man die Fotos sieht- eine sorgfältige Konstruktion, sauberste Ausführung, und vorbildliche Reparaturfähigkeit.

Daß der Oszillograph nach 70 Jahren auf Anhieb funktioniert, beweist die hervorragende Qualität.

Den Werktätigen des Funkwerks Köpenick kann man allerbeste Arbeit bescheinigen !"

 

Draufsicht bei der Ankunft.
Alle Gehäuse- Blechplatten sind mit schwarzem Kräusellack (Schrumpflack) lackiert. Etwas Wasser und Seife zu ersten Reinigung, so sieht das noch annehmbar aus. Später ist Pflege mit Öl angedacht.

Frontansicht, Bildröhre 12cm.

 

Typenschild

Tabelle für die Frequenzbestimmung der X- Ablenkung.

Die Angabe in µsec/cm ist üblich, aber der OG2-1 gestattet eine geeichte Dehnung des Zeitmaßstabs, angezeigt mittels eines Meßwerks, so daß die Periodendauer -der Reziprokwert der  Frequenz- des angezeigten Signals moittels der Tabellen genau bestimmt werden kann.

Heute erscheint dies merkwürdig, aber wahrscheinlich hat man den Generator der Zeitablenkung auf hohe Frequenzstabilität getrimmt, so daß man den Oszillographen als Frequenznormal verwenden konnte, daher der Name "Normal- Oszillosgraph".

Das ist eben sehr alte Technik.
Indes- schlecht ist sie nicht. Und ist immer noch nutzbar- die Physik hat sich ja nicht geändert.

Erster Test


Erster Test- der OG2-1 funktioniert !
Angezeigt werden 750 kHz Sinus.


Die Blechplatten mit Kräusellack sehen nach Reinigung und ein wenig Öl aus wie neu.

Fundstück: OG2-1b ist beim CIA gelistet !

Das ist ja allerliebst- der OG2-1 ist kaum in DE bekannt, aber seinerzeit (1952) interessierte sich der Auslangsgeheimdienst CIA für den schweren Klopper.
Dachten die, das Ding könnte man als Bombe abwerfen ? 🙂

(Foto umformatiert, Quelldatei: https://www.cia.gov/.../CIA-RDP82-00457R015100040002-5.pdf)

Gefunden: Varianten

Eine der ersten Ausführungen, "OG2-1b", Zeichnung aus den Geräteunterlagen von 1949, und mein Gerät, "OG2-1/52", Baujahr 1953.

Vermutlich haben beide Varianten die gleiche Größe, nur durch die perspektivische Verzeichnung erscheinen die Abmessungen unterschiedlich.

Bei der ersten Ausführung ist ein schmales, hochkant eingebautes Meßinstrument, ähnlich Feldstärke- oder Austeuerungsmessern, verwendet worden, später dann ein Rundinstrument.
Die Bedienelemente sind gleich, es sind andere Buchsen verbaut worden.

DIe Röhrenbestückung weist teilweise gleiche, teilweise andere Röhrentypen aus aus, es sind aber Röhren gleicher Funktion, ähnlicher Leistung, nur andere Hersteller und Sockel, etwa die
- Endpenthode 6L6, später EL12N,
- Gleichrichterröhren 5U4, später Z2c,
- Eine 5Z4 (Doppelweggleichrichter) ist nur in der alten Variante vorhanden,
- B879M, nur in der alten Variante, eine völlig unbekannte Oktalröhre, die eine 
   Anodenschelle mit flexibler Leitung hat, wahrscheinlich die Vorläufertype
   der späteren RFG5 (Anodengleichrichter für Bildröhre).
   Es gibt jedoch Hochspannungs- Gleichrichterröhren,
   Typenbezeichnung 879(USA), oder B-879 (russisch), beide mit Amerika- UX 4  
   (4- Stift-) Sockel, möglicherweise ist die B879M die Oktalsockel- Variante der 
   russischen Röhre.
- Die 6J5 (Doppeltriode) ist nur im OG2-1/52  vorhanden. Wahrscheinlich
   wurde die alte Variantedes Oszis später mit Synchron- Verstärker oder
   Hellsteuer- Verstärker nachgerüstet.
- auch die Bildröhre wurde größer, von HRP1/100/1,5 mit 100 mm
   Schirmdurchmasser (Hersteller ursprünglich AEG, in der DDR TPW =
   Technische Präzisions- Werkstätten, Thalheim/ Erzgebirge, auf eine Röhre
   mit 120 mm Schirmdurchmesser  (in Abschirmung eingebaut, Typbezeichnung
   nicht ablesbar).

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