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Gefährliche Kondensatoren in historischen Geräten

Gefährliche Kondensatoren in historischen Geräten

Da vielerorts Unklarheiten über die Entstörkondensatoren und die "Lichtantennen"- Kunstschaltung bestehen, möchte ich hier etwas Aufklärung schaffen.
Ich hoffe, das wird nicht als Klugscheißerei gesehen- es ist für diejenigen, die die Materie der alten Röhrenradios nicht kennen, schon wichtig, zu wissen, wozu Entstörkondensatoren gut sind, warum sie gefährlich sein können, und was es mit der "Lichtantenne" auf sich hat.

Grundsätzlich sollte man die alten Papierkondensatoren der Röhrenradios komplett auswechseln- sie sind nach 50- 80 Jahren zu 100% nicht mehr brauchbar- die Herstellervorgaben für den Isolationswiderstand (größer 4 Gigaohm !!! Quelle: Herstellerangabe in der "Funktechnik", 1952) erreicht keiner mehr.
Keiner !
Ich habe unter Hunderten keinen einzigen gefunden, der da auch nur annähernd herankommt. Vielleicht gibt es welche, aber ich spare mir die Messungen.
Auch die "Regenerierung", verschiedentlich beschrieben, schafft das nicht- siehe die Meßwerte, die die Durchführenden angaben.
Eine Regenerierung, die die Hersteller- Vorgaben nicht erreicht- ist keine.
Einzige Lösung wäre die Neuherstellung mit einwandfreienm Material.

Das Risiko einiger Kondensatoren ist jedoch noch weitaus höher, nämlich Lebensgefahr.
Und die zeige ich jetzt.

   
1. Variante: Die üblichen Entstörkondenstoren an der Primärseite des Netztrafos.

   
Das passiert, wenn einer der Entstörkondenstoren durchschlägt,

   
Zweite Variante: Entstörung an der Sekundärseite des Netztrafos, die Entstörkondenstoren haben sogar weniger Arbeit, weil Störfrequenzen erst einmal den Trafo passieren müssen, und dadurch schon geringeren Pegel haben.

   
Auch wenn hier "nur" der Netztrafo gefährdet ist... es ist immerhin BRANDGEFAHR.
Und so manch unschuldiger Trafo ging so in die ewigen Stromkreise.

Die "Lichtantenne" ("Lichtnetzantenne")


   
Die "Lichtantenne" oder "Lichtnetzantenne" ist eine Kunstschaltung in den 30er Jahren, die die Hochantenne ersetzen sollte, die manchmal von Hausbesitzern nicht gewünscht war- das Lichtnetz selbst kann als Antenne genutzt werden, allerdings mit dem Nachteil, daß es auch viele Störungen mitbringt, die von Geräten stammen, die irgendwo im Netz angeschlossen sind. Ein Kondensator am Netz läßt die HF durch, und sperrt Netzspannung/ Netzfrequenz- so einfach. Meist war der Kondensator schaltbar.

   
Und das passiert, wenn der Kondensator der "Lichtantenne" durchschlägt, dasselbe, wie bei den defekten Entstörkondensatoren.

Die Gefahr bei den defekten Kondensatoren ist deshalb so groß, weil nur äußerst selten jemand ein Röhrenradio mit einer guten Erde in Betrieb hatte, da würde in den meisten Fällen die Sicherung kommen. Ein Anfassen der Antenne im Garten, auf feuchtem Boden, oder des Plattenspieler- Metalltellers, und gleichzeitiges Berühren des Heizkörpers an der Wand...
Treffer und versenkt- Ruhe sanft.

Warum ist ein FI (Fehlerstromnschurtzschalter) kein Schutz ?
Ein FI schaltet erst bei 30 mA ab- tödlich können aber schon Ströme um etwa 3 mA sein.

Die Gefahr durch diese Kondensatoren kann durch Neuteile geeigneter Ausführung ("Y- Kondensatoren") behoben werden.
Die "Vorschaltlampe" ist ein Hilfsmittel, welches nur sehr erfahrene Reparateure verwenden sollten- sie schützt nicht bei diesen defekten Kondensatoren.
Für den Reparateur empfiehlt sich immer, einen Trennstelltrafo zu verwenden- auch neue Kondensatoren können einen Voll- Durchschlag haben- mehrfache eigene Erfahrung.

Hier eine besonders heikle Schaltungslösung, gefährlich für Restaurateure.

Gefunden im Radio "Erfurt 4", Starn Radio Sonneberg, DDR, 1960/61, ein Radio mit trafoloser ("eisenloser") Endstufe, und das gerät gab es sogar in Wechselstom- Ausführung ("WU", 2 x EL 86), und Allstrom- Ausführung ("GWU", 2 x UL 84). Ein Radio mit einem eigenen, sehr schönen Klang, aber eben einigen Besonderheiten.

Natürlich ist beim Allstrom- Erfurt das Chassis in einer Polung des Netzsteckers an Phase- das ist normal für diese Geräte- es konnten auch keine anderen Geräte angeschlossen werden, die Buchsen waren durch die nicht gelochte Rückwand unzugänglich, und teils unbelegt, konnten aber ggf. durch eine Fachwerkstatt mit einem Trenntrafo nachgerüstet und freigeschaltet werden. Antenne und Erde hatten Kondensatoren zur Fernhaltunmg der Netzspannung, die heute natürlich als erste MAßnahme ausgetauscht werden müssen.

"Erfurt 4 GWU" hat auch einen Entstörkondensator- da gilt äußerste Vorsicht.

   
Wenn die oben gezeichnete Seite des Netzanschlusses an Phase ist, ist das Chassis unter Spannung gegen Erde (rot markiert).
Auch der Entstörkondensator ist rot hervorgehoben.

Der Entstör- Kondensator hat satte 0,1 MüF- das ist zwar ein recht drastischer Kurzschluß für Störfrequenzen.
Jedoch fließt auch ein erheblicher Blindstrom durch den Kondensator- heute nicht mehr zulässig- im ungünstigen Fall kann der Blindstrom durch den Kondi- und danach durch den Reparateur fließen.
Wäre beim "Erfurt" sogar leicht möglich- der Kondensator hängt recht frei in der Gegend herum, da ist schon eine Berührungsgefahr gegeben.

Wenn die Netzspannung im Scheitelpunkt (Spannungs- Spitzenwert) abgeschaltet wurde, hat der so viel Ladung, daß er dem Restaurator einen schönen Schlag verpassen kann.
Wohl eher nicht tödlich, aber unangenehm.

Hier der genannte Kondensator im Allstrom- Radio "Erfurt 4 GWU".

   
Hier ist der Entstörkondensator, ein Papierkondensator im goldfarbenen Hartpapier- Rohr, seitlich mit Epoxydharz vergossen, eine bisher sehr gute Ausführung von Papierkond4ensatoren ("DDR- Gold- C's").
Aber auch dieser Kondensator ist nur ein Papierkondensator, und hat eine begrenzte Lebenszeit..

   
Es knallte, und so sah der Goldi dann aus.

Und noch eins drauf: Der Wohnungssicherungs- Killer 

Der Fersehgerätehersteller RFT Staßfurt bestückte tatsächlich Mitte der 80er Farbfernseher mit Entstörkondensatoren in folgender Schaltung:

   

Funktionsmäßig schließen sie Störungen am Netzeingang kurz, ok.
Was da aber beim Durchschlag eines solchen Kondensators passiert- ist fast klar- entweder der Kondensator verbrutzelt langsam, oder es gibt einen vollen Kurzschluß auf der Netzleitung.
Und genau das passierte gelegentlich, schon beim Einstecken des Netzsteckers flog... die 10A- Wohnungssicherung. Logisch- der Kondensator war VOR Sicherung und Einschalter drin.
Meist gab es aber Kondensatorleichen in Teer.

   

Das waren die Verursacher.
Die teervergossenen Dinger stammten technologisch aus der Steinzeit, wurden aber aus unerfindlichen Gründen noch Anfang der 80er produziert, diese Kondis tragen das Herstellungsdatum 1982 !
Drin waren meist 1- fach- Ausführungen. Die gezeigten Kondis waren Ersatzkondis. Die 2 Kondis wurden parallel benutzt, da kein Erdbezug da war, ist die Y- Schaltung nicht sinnvoll.
Normalerweise wären sie geeignet für ihren Job, sie sind als "Y- Kondensatoren", Spannungsfestigkeit 220 Volt ~ gekennzeichnet, das ergibt nur Sinn an Netzeingängen.
Und sie wurden noch Mitte der 80er verwendet. Wahrscheinlich hatte man die Dinger säckeweise.

Die gezeigten Kondis habe ich noch aus dem Lager meines Betriebes, in dem ich damals arbeitete.
Sie sind noch unbenutzt, und werden das auch bleiben- der Isolationswiderstand weist sie als Schrott aus.

Die Schaltung oben fand ich nicht in (meinen) Unterlagen, aber fand die Kondensatoren so im Netzteil vor, und es wurde oft von Auslösungen der Wohnungssicherung berichtet. Diese Schaltung war eine grenzwertige Sache- es bestand ja zumindest Brandgefahr.

**********************

Es ging hier um Kondensatoren in alten Radios, die ein besonders hohes Gefährdungspotential darstellen, weil sie einseitig direkt an einer Netzphase liegen können.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diese zu ersetzen.

Der minimale Eigenschutz des Reparateurs/ Restaurateurs, um nicht durch solche gemeinen Fehler, die die galvanische Trennung aufheben, zu Schaden zu kommen, ist ein Trenn/ Trennstelltrafo, in Werkstätten ein Muß- und ich verwende diesen selbstverständlich auch. So teuer ist so ein Gerät nicht.

Alles andere kann man anwenden, es ist jedoch sehr riskant.
Ich verwende so etwas nie, und rate davon ab.

 

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