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Restauration Telefunken Spitzensuper D860WK von 1939- Teil 1

Restauration Telefunken Spitzensuper D860WK von 1939, Teil 1

Hallo, Radiofreunde,

Langer Bericht, bitte runterscrollen.

Das wird mal ein Bericht von einer "Nicht- Restauration". 
Weil... es nicht nötig ist.

Nach dem Telefunken "Arcolette", den ich im unberührten und technisch absoluten Bestzustand aus erster Hand bekam, nun das zweite Radio in einem solchen Erhaltungszustand.
Ebenfalls ein Telefunken. 78 Jahre alt- Laut Gehäusestempel Mai 1939, meine Oma hätte gesagt: "Der ist noch Original Friedensware !" (son nannte man qualitativ hochwertige Waren, die vor Kriegsbeginn hergestellt wurden)

  

Den D860WK erstanden wir im Oktober in der Elektrobucht, und nicht mal teuer.
Wurde mit Originalverpackung angeboten. Na ja, dachten wir...

Meine Frau holte das Gerät ab (600 Km von nuns entfernt), einen D860WK kann man wahrscheinlich niemals einem Paketdienst anvertrauen, abgesehen von der stattlichen Größe und dem Gewicht- den Lautsprecher könnte es aus den Aufhängungen reißen- und die Glasskalen- Streifen wären nur mit teurer Nachfertigung ersetzbar.

Der D860 wurde einst nach Nürnberg geliefert- und tatsächlich hatte ihn der Verkäufer in den Originalkarton eingepackt- und der hat es in sich: Pappe bis 25 mm Dicke, der Karton mit den Pappeinlagen wog soviel, wie ein kleinerer Empfänger !!
Und auf dem Karton ist noch der Original- Paketaufkleber.
Wir haben das Gerät von einem Zwischenhändler, dem Nachlaßverkäufer, der es nicht in Betrieb nahm, nur abholte, und anbot, so haben wir es quasi aus erster Hand.

Mein Sohn war mitgefahren, das schwere Paket ins Auto hieven.
Kam dann alles unversehrt an.

Und dann...irre: Das D860 WK ist im absoluten Traumzustand- der sieht aus, als hätten sie ihn bei Telefunken gerade "vom Band geschubst".
Innen eine hauchdünne Staubschicht, 1 Spinnwebe- das war alles. Das Gehäuse spiegelt- perfekt poliert, besser geht es nicht.
Nicht zu sehen: Es fehlen 2 quadratzentimeter Furnier seitlich- das Gerät soll fest in einem Schrank verbaut gewesen sein

D860WK funktionierte auf Anhieb. Kein Krachen des Wellenschalters, kein aussetzendes Poti- nichts !
Nur das magische Auge (EM11) war offensichtlich total am Ende.
Ich hatte gerade eine werksneue EM11 für ein anderes Gerät erhalten, die ging dann natürlich gleich in den TFK.

Heute dann habe ich den 860WK auf den Tisch geholt.
Das Chassis ist unten mit einer Blechplatte verschlossen, perfekt- dadurch ist der Innenraum sauber.
Ich habe dann das Chassis, Wellenschalter und Mechanik gereinigt und geölt.

Tatsächlich ist das Gerät insgesamt in einem unglaublich guten Zustand.
Sämtliche Löt- und Verbindungsstellen haben den gelben Kontrollack drauf, nicht ist je angerührt worden.

Papierkondensatoren drücken nach langen Jahrzehnten die Vergußmasse heraus.
Hier- Kein einziger Kondensator ist aufgedrückt !
Der TFK enthält vollgegossene Papierkondis, ähnlich denn schwarzen DDR- Vollplast- Kondis der frühen 50er, oder den WIMA- Bonbons. Üblicherweise haben die Platzer und Risse im Gehäuseguß.
Hier ist kein einziger Kondensator auch nur verdächtig !
Damit dürften die uralten Kondensatoren möglicherweise noch ein hinnehmbaren Toleranzen sein.

Und hier sah ich, was ich vor 45 Jahren mal bei einigen TFK der Ende 20er/ Anfang 30er Jahre sah, etwa beim T1000: Viele Anschlüsse sind überhaupt nicht gelötet ! Die sind tatsächlich punktgeschweißt !

Der D860WK funktioniert ! Und zwar top- gute Empfindlichkeit, guter Klang. Der Klang kann mit der Bandbreiten/Klangstellung etwas beeinflußt werden.
Auch die Festsendertasten- alles funktioniert tadellos.

Einzig eine Beobachtung: In unregelmäßigen Abständen ist ein Knacken und ein kurzer, leiser Brumm zu hören.
Ich habe die NF- Vorröhre rausgenommen- immer noch der Fehler. Ich habe den Koppelkondensator zur Endröhre in Verdacht.
Und der ist--- eingepunktet (punktgeschweißt).

ich überlege jetzt, was ich mache. Normal mache ich ja immer die volle Kondensator- Kur.
Aber bei dem traumhaften Erhaltungszustand-  ist ja Einlöten eines neuen Kondensators schon fast Frevel, weil eben manche Bauteile nicht gelötet, soindern gepunktet sind !

Wahrscheinlich werde ich nur diesen einen Kondensator wechseln, alle Originalteile vorerst lassen.
Der TFK wird gelegentlich angeworfen, aber nicht im Dauerbetrieb laufen.

Den Koppelkondensator werde ich an seinen seitlichen Drahteinführungen abknipsen, da es ja kein Röhrchen- Gehäuse ist, muß ich das Gehäuse wohl mit einem Bohrer seilich durchbohren, und einen geeigneten Folienkondi in das Loch schieben, dann schwarzen 2K-Kleber o. ä., daß alles in der Originalansicht bleibt.

Gerätebeschreibung in einem firmeneigenen Prospekt:

LICHTSPIELE AUF DER AKUSTISCHEN BÜHNE


Die Sendertastatur war zunächst das interessanteste technische Merkmal der Telefunken-Serie 1939/40, Schon 1937 hatte Karting mit seinem berühmten "Transmare 38" eine Druckknopfschaltung für die automatische Abstimmung auf 20 Sender eingeführt. Andere Hersteller folgten diesem Beispiel bald. Telefunken aber rüstete erst 1939 drei seiner Geräte mit Drucktasten aus, Neun Tasten des D 860 WK waren auf beliebige Senderfrequenzen einstellbar. Die 10. Taste schaltete das Gerät unmittelbar auf Schallplattenwiedergabe und nahm damit die erst in den 50er Jahren durchgesetzte Bereichsumschaltung mittels der Drucktasten vorweg. Einige Jahre später kehrte dann auch die Festsendertaste als zusätzliche Geräteausstattung zurück.

Gestalterisch aber wird der D 860 WK durch die Fortentwicklung der Skalenaufteilung bestimmt, die in einem ersten Ansatz bereits bei dem Vorjahrestyp 898 angewendet worden war Die außerordentlich strenge, gewichtig erscheinende Form des kantigen Gehäuses wird aufgelockert durch die streifenförrnig über die gesamte Schallwand verteilte Skala.

Die oberhalb des Gerätesockels breit angelegte, stoffüberspannte Schallwand kennzeichnet einen grundsätzlichen formalen Aspekt des Radios allgemein.
Durch ihre in das Gehäuse eingerückte Lage und durch ihre Umrahmung mit mehr oder weniger profilierten Schmuckelementen gewinnt sie einen Charakter, der elementar an den Vorhang und an das Portal einer Bühne erinnert.

Und tatsächlich findet auf dieser Bühne ja auch das eigentliche Ereignis, die Schallerzeugung und damit die ertebbare Zweckbestimmung des Gerätes statt. Die stete Faszination, die gerade die Schallwand des Radios auf seine Nutzer ausübt, wird keineswegs dadurch herabgesetzt, daß sich der Vorhang niemals öffnet und niemals das technische Geheimnis des dahinter liegenden Raumes enthüllt.

Wurden bis dahin und auch später die Skala und die Schallwand in der Regel getrennt angelegt, so gelang es Telefunken bei diesem Gerät, die beiden sonst eigenständigen Elemente mit glücklich gewählten Proportionen und in einer nie wieder erreichten Vollendung miteinander zu verknüpfen.

Ohr und Auge, also mehr als 80 % der sinnlichen Empfindungen des Menschen, können sich so auf eine entscheidende Stelle konzentrieren, Und während ihrer aktiven Senderwahl gewinnen die Nutzer das Gefühl, auf derselben Bühne mitzuspielen, auf der sich die elektromagnetischen Wellen in hörbare Musik oder Sprache zurückverwandeln.

Der spielerische Reiz der Anlage wird weiter erhöht durch das wechselnde Aufleuchten der einzelnen Flutlichtstreifen der Skala in Abhängigkeit von der Stellung des seitlich am Gehäuse angebrachten Wellenschalters. Es entstehen räumlich erscheinende Beleuchtungseffekte, die die Assoziation der Bühne noch näher rücken.

Im übrigen bietet der D 860 WK die wesentlichen technischen Eigenschaften, die man von einem ausgereiften Spitzensuper des Jahrgangs 1939 erwarten darf: Magisches Auge, vierfach abgestufte Bandbreitenregelung, Schwundausgleich in vier Stufen, Gegenkopplung, gehörrichtige Lautstärkeregelung, elektrodynamischer Lautsprecher mit der "Nawi-Breitbandmembran", Sprache- und Musikschalter, Anschluß für Tonabnehmer und 2. Lautsprecher.

Wirklich, es ist schon eine Freude, diesen Spitzensuper zu besitzen.

Fotoserie

Telefunken D860WK mit ausführlicher Betriebsanleitung, 32-seitig ! , diese habe ich aber im Internet gefunden, heruntergeladen und ausgedruckt.

Was "Scherm" bedeutet, vllt. der Name des früheren Besitzers- ich weiß es nicht.
"EP" wird wohl auch nicht "Elektronik- Partner" heißen, die Firma gab es damals nicht... Rolleyes
  Der Original-Paketzettel


Rückseite, die Textil- Netzschnur habe ich angebaut, die alte Strippe war zerfledert, ich habe einen Karton funkelnagelneuer Textilstrippen von Bügeleisen abgreifen können, die passen perfekt zu den alten Radios.

   
Nachtansicht, die Kamera kann automatisch die Belichtungszeit verlängern.
Ein toller Blickfang- der 860WK ist mein schönstes Radio.
Die Gestaltung ("Design") ist schon außergewöhnlich, nicht wirklich typisch für 30er Jahre- Radios, meiner Meinung nach zeitlos- ich könnte mir vorstellen, daß der D860WK auch in ein modernes Wohnzimmer passen würde.

Die Rückwand hat sogar "unverlierbare" Schrauben, ein Stück dünnes Blech sichert diese.

Absoulter Traumzustand: Das Chassis ist sauber, "wie frisch gepreßt".

   
Draufsicht

   
Chassis- Unterseite, Bestückung.
Unten die Spulen mit Tauchkern, für die Festsendereinstellung.

   
Beschaltung um die Endröhre herum

Koppelkondensator, nicht gelötet, sondern- punktgeschweißt !
Diese Art Verbindung gab es seit den 20er Jahren, ich kenne es u. a. vom Telefunken "T1000", da waren alle Trafoanschlüsse punktgeschweißt.

Zweifellos eine sehr sichere Verbindung.

Die Netz- Entstörer, an der Trafo- Sekundärseite.
2 Kondensatoren 5nF, mit 2 Kunststoffplatten zusammengehalten, aber als 2x beschriftet.

Gehäusestempel, 13.Mai 1939

Gehäusezettel der Bearbeiter

Röhren- Lageplan, im Gehäuse angeklebt

Es wird warm: Abendliches Röhrenglühen.

 

(wird fortgesetzt)

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