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Special: 30er Jahre, USA, Vergessene Schaltungen: Der Wunderlich- Detektor

Vergessene Schaltungen: Der Wunderlich- Detektor- Die Wunderlich- Röhre, seltene Schönheit in blauem Glas.

Für das Projekt "Edi- RGS" habe ich eine ganz alte, vergessene Schaltungslösung mit ihrem speziellen Bauelement gewählt: Den "Wunderlich- Detektor" mit der gleichnamigen Röhre.

Erfunden von Norman Wunderlich, das Patent wurde von der Firma "Arcturus" gekauft.
Arcturus (auch Arctur) ist der Hauptstern im Sternbild "Bootes" (Bärenhüter), so sind auf den Arcturus- Röhrenschachteln Planetarien und Sternbilder abgebidet.

Die Wunderlich ist nicht nur selten, sie wurde nur in den USA gebaut und verwendet.

Zierlich gebaut, und mit einem blauen Glaskolben ist sie auch schön anzusehen.
Der blaue Glaskolben erinnert an die Blaupunkt- Röhren in Deutschland, die -wie die amerikanischen Blauglasröhten- nur bis 1932 gebaut wurden.

Ich hatte das Glück, zwei dieser Röhren ersteigern zu können.
Eine ist leider total defekt, und darf in die Vitrine, die andere ist eine alte Neuröhre ("NOS" =new old stock = alte Lagerbestände) , in Original- Verpackung, die natürlich ebenfalls in die Vitrine darf.

Wunderlich-Röhre
Ankunft der Wunderlich.

Der Wunderlich- Detektor


Prinzipschaltbild des Wunderlich- Detektors (Mit S- Plan gezeichnet, Edi)

Die Wunderlich- Detektorschaltung ist im Grunde eine Gegentakt- Vollweg- Gleichrichterschaltung, wie man sie von Netzgleichrichterschaltungen kennt, anstelle des Netztrafos die HF- Spulen- Sekundärseite. Die 2 Gitter der Wunderlich- Röhre arbeiten als Anoden. "Hinter" den Gittern ist die Anode, die Trioden- üblich geschaltet wird.
Die HF (oder ZF) liegt gegenphasig an den Gittern an. Durch die spezielle Anordnung der Gitter fließt jedoch nur Anodenstron bei gleichem Potential an den beiden Gittern.
Die HF ist an den Gittern aber gegenphasig vorhanden, für die HF heben sich die Wirkungen der HF- Spannungen auf, HF ist an der Anode nicht vorhanden.

Die aufmodulierte NF ist jedoch gleichphasig, es fließt also ein von der aufmodulierten NF gesteuerter Anodenstrom, der in üblicher Weise an der Anode abgenommen werden kann. Zugleich kann am Spulenmittelpunkt über einem Widerstand eine Regelspannung abgenommen werden.

Der Erfinder versprach sich eine höhere NF- Ausgangsspannung durch die Doppelweg- Gleichrichtung, sowie Ersparnis einer NF- Vorverstärkerröhre durch die direkt eingebundene Triode.

Der Wunderlich- Detektor in Radios der 30er Jahre

Hier einige Beispiele, die Darstellung der Röhre in amerikanischen Schaltungen ist anders, nicht einheitlich, vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber die Übereinstimmung mit dem Prinzipschaltbild ist erkennbar.



Wunderlich im Autoradio "Mission Bell 19"


Wunderlich im Audiola "Modell 3356"


Wunderlich im Scott "Allwave 12"

Der Wunderlich- Detektor wird zur "vergessenen Schaltung"

Röhre und Schaltungslösung setzten sich nicht durch- der Schaltung haftete der Nachteil an, daß dieGittervorspannung nicht konstant ist, da sie ja die Richtspannung ist, von der "Gleichrichterschaltung" geliefert wird. Bei hohen Modulationsgraden können deutliche Verzerrungen der NF auftreten.

So wurde in einem Gerät ("Espero Super") die Wunderlich- Röhre nur noch als Doppeldiode  benutzt, die Anode lag auf Masse, die eigene Triode damit unwirksam. Die NF wurde in einer nachfolgenden Triode verstärkt.


Ausschnitt aus dem Schaltplan des "Espero Super", die Schaltungsvariante zu erkennen,
ist nicht so schwer:
Anode und Kathode der Wunderlich (Röhre "W") liegen an Masse.
Der Spulenmittelpunkt geht an eine RC- Kombination, die ein Lautstärke- Poti
beinhaltet, dem Potischleifer folgen eine HF- Drossel und der Koppelkondensator
zur nachfolgenden Triode.

Die Schaltungsvariante im "Espero" entspricht also einer Doppeldiode und nachfolgender Triode.
Tatsächlich wurden später Doppeldioden-Trioden- Verbundröhren gebaut, z. B. 6Q7 (ab 1935),
im Scott "Allwave" von 1948 findet sich eine Doppeldiode-Triode "55", allerdings nur für Einweggleichrichtung beschaltet, beide Dioden sind einfach parallelgeschaltet.

Da sich die Doppelweg- Gleichrichtung für AM nicht durchsetzte, gab es später dann Einfachdioden- Trioden, sowie zum Schluß Einfachdiode, Doppeldiode und Triode in einer Röhre, und zwar für AM- Demodulation (Einfachdiode), FM- Demodulation (Doppeldiode) und NF- Stufe (die Triode), die bekannteste Variante ist die 6AK8 = EABC 80, die von 1952 bis zum Ende der Röhrenära verwendet wurde.

Die Wunderlich- Röhre wurde nur von etwa 1929 bis 1932 produziert.
Mit Ihr verschwanden damals auf einen Schlag viele Röhren, wie die blauen Blaupunkt- Röhren mit klangvollen Namen, wie "Ampladyn" usw., Loewe- Röhren, u. v. a.

Weitere Infos über die Wunderlich

Um "das Fahrrad nicht zum zweiten Male zu erfinden":
Zum Wunderlich- Detektor gibt es eine ausführliche Ausarbeitung, sogar mit einem Testbericht eines Versuchsaufbaus von Herrn W. Holtmann
im RMorg, sowie ein Bericht von Joe Sousa, und anderen. Ich erlaube mir, diese hier zu verlinken.

1. Link(Deutsch) , 2. Link (Englisch , 3. Link (Englisch


Prüfen einer Wunderlich- Röhre

...Ist gar nicht so einfach- es gibt in Europa möglicherweise keine Unterlagen der Röhrenprüfgeräte für diese Röhre, ich besitze ein Funke "W 19", das hat Daten und Prüfkarten für viele sehr alte Röhren, die nur bis etwa 1932 gefertigt wurden, aber die Wunderlich ist nicht gelistet.

Für die Wunderlich- Röhre habe ich anhand meiner Neuröhre eine Prüfkarte für das in Deutschland sehr verbreitete Röhrenprüfgerät
Funke "W 19" angefertigt.
DIe Karte habe ich mittels Bildbearbeitungsprogramm aus der Karte einer ähnlichen Röhre "gefälscht". Lachend

Die Werte stimmen annähernd mit den im genanntem Artikel von Hr. Holtmann gemessenen Werten einer gebrauchten Wunderlich überein.

Klick auf das Bild -> Download des druckbaren PDF- Dokuments
Die Karte ist im Dokument korrekt skaliert, sollte normalerweise in der korrekten Größe ausgedruckt werden. Kontrolle mittels der beiden Löcher für die Fixierungsstifte der Karte auf dem Steckfeld.
Die Prüfdaten sind auf der Karte angegeben. Prüfung Funke- üblich, Emission bei Gitter Null und Minus 2 V, Vakuumprüfung, Karten- Werte für "Gut" ab 50%, für evtl. brauchbar ("?") ab 30%.

Wunder- Röhre ? Wunder- Schaltung ?

Nein, gar nicht.
WUnderlich... ist ja auch "nur" der Name des Erfinders.Lächelnd
Der Wunderlich- Demodulator  war keinesfalls besser als vorhandene Lösungen, dafür eine spezielle Röhre verbauen, die sicher ihren Preis hatte, rechnete sich nicht.

Nach Untersuchungen von W. Holtmann, um die ich ihn bat, bestehen die Verzerrungen bei hohem Modulationsgrad auch noch bei Verwendung der Wunderlich als Doppeldiode, Änderungen der Bauelemente- Werte der Standard- Beschaltung brachten keine Änderung, lediglich eine Anodenspannung von +2V an der Triodenanode -anstelle Anode an Masse- brachte Besserung, aber es blieben Restverzerrungen.

Daraus wäre zu schließen, daß die Eigenschaften der Röhre (Kennlinie) ursächlich sind.
Ob es eine Möglichkeit gibt, die Demodulatorschaltung dennoch zu guten Ergebnissen zu bringen, ist noch nicht klar., ich werde weitere Versuche machen.

Die Zeit ging über Norman Wunderlichs Erfindung, sie wurde zwar in einer kleineren Anzahl Geräte verwendet, aber geriet in Vergessenheit.


Die Wunderlich im "EDI-GRS"

EDI-GRS soll ja "vergessene Schaltungen" beinhalten, ein Punkt für den Wunderlich- Detektor.
Im Normalfall -Bei normalen Modulationsgraden- ist die Wunderlich genausogut geeignet, wie jede andere Röhre.

Erst heutige AM- Sender überziehen Modulationsgrad und Modulationsbandbreite absichtlich, entgegen Vorschriften früherer Jahrzehnte, die eigentlich heute noch gelten- was aber auch eine erhebliche Verbesserung der Qualität auf AM bringt.
Es wird noch zu testen sein, ob eine andere Beschaltung -andere Werte der Bauelemente, Vorspannung, etc.) eine bessere Demodulation bei hohen Modulationsgraden ermöglicht.

Und... auch die Optik:
Die zierliche blaue Schönheit wird auf der Gehäuseoberseite in der Mitte plaziert werden, sie wird die Diva unter den EDI-GRS- "Orchestermitgliedern" sein.

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